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Einleitung in die Geschichte des neunzehnten Jahrhunderts / von G.G. Gervinus
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das christliche Rom die des geistlichen hinzu, als seit der Aus-breitung des Islam das Bedürfniß christlicher Einheit in Romeinen geistigen Mittelpunkt der Christenheit schuf. Wäre es mög-lich gewesen, daß sich Kaiserthum und Pabstthum friedlich geeinigthätten, hätte gar in dem deutsch-römischen Wcstreiche geschehenkönnen, was in dem byzantinischen Ostreiche geschehen war, daßdie weltliche und geistliche Macht auf Einem Haupte zusammen-gefallen wäre, so hätten die so ausgestatteten, doppelt gewaltige»Herrscher die Christenheit zu dem Weltkampfe der Kreuzzüge inviel einheitlicherer Macht, in viel mächtigerer Einheit versammelnkönnen, als es in Wirklichkeit geschah; sie hätten der Idee derchristlichen Gemeinschaft leicht ein großes Uebergewicht über dienationalen Entwickelungen gegeben; es hätte sich im Mittelpunktdes Welttheils, in Deutschland und Italien, eine monarchischeGewalt und einförmige Staatseinheit gebildet, die der freiennationalen und menschlichen Entwickelung in ganz Europa diegrößten Hindernisse entgegengcworfen Hütte.

stach?Gkgkn° solche Gestaltung ward aber schon durch die Eifersucht

Scutalwrs-N beiden Gewalten vereitelt, die im Streben nach einer Ober-herrlichkeit über alle christlichen Kronen und Reiche wetteiferten,sowie durch den Nationalhaß, der Deutsche und Italiener trennte.Sie war aber auch von allem Anfang an durch eben jene germani-sche Eigenthümlichkeit unmöglich gemacht, die in seltsamem Wider-spiele zu diesen staatenverschmelzenden Entwürfen die einzelnenStaaten sogar in sich selbst zu zerbröckeln strebte. Die germani-schen Stämme warfen früh und spät durch Erbtheilung und Wahl-recht, durch Lehnwescn und Vasallenthum, durch ihren Hang dieFreiheit auf genossenschaftliche Verbände zu gründen, späterhindurch die Spaltungen des Protestantismus den römischen Ideender Staats-, Rechts - und Religions-Einheit unüberwindliche