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Einleitung in die Geschichte des neunzehnten Jahrhunderts / von G.G. Gervinus
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41
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gierungPhilipp'sll. in der innigsten Weise und für die ganze Weltbedrohlich wieder her. Mit dieser zweifachen Richtung nun nachterritorialer Vergrößerung und nach katholischer Glaubenseinigungtrafen die romanischen Stämme und ihre Häupter mit den ger-manisch-protestantischen Völkern in dem feindlichsten Stoße zu-sammen. Von dem Ringen des Pabstthums mit der Reformationabgesehen, kämpfte Spanien durch das ganze 16. Jahrhundertmit Deutschland, Niederland und England nach der Reihe, undFrankreich löste es im 17. Jahrhundert in diesem Kampfe ab.Dieser Gegensatz der Stämme dauerte in seiner ganzen Schärfegerade so lange, wie die religiösen Streitpunkte das vorherrschendeInteresse der europäischen Gesellschaft ausmachten. Er ließ nachund verschliff sich mehr und mehr, seitdem jene straffe Theilungder Romanen und Germanen in jene zwei weltbeherrschenden That-sachen aufhörte, seit die germanisch-protestantischen Anpflanzun-gen in Amerika und nachher die französische Literatur, die hier fürdie verfehlte religiöse Freiheit eine Art Ersatz bot, neue geistigeund politische Interessen in die Welt warfen. Von da an fingendie Romanen wieder an, den Germanen den Alleinbesitz geistigerund staatlicher Freiheit zu bestreiten. Ehe dies aber geschah, undbis dahin wo es geschah, war den germanischen Völkern dergroße Beruf zugefallen, nachdem sie auf dem religiösen BodenGeist und Gesinnung erregt hatten, auch die ersten freiheitlichenOrdnungen in Kirche und Staat zu begründen. Denn wie es imEntstehen und in den Anlässen der Reformation, in der StellungLuthers gegen den Pabst und der deutschen Fürsten gegen Karl V.gewesen war, so blieb es auch in den nächsten Folgezeiten: alleBestrebungen, die auf große Staatenbildungen, auf gleich-machende Gemeinherrschaft, auf eine einförmige geistige Unter-drückung, auf Universalismus und Despotismus in Staat undKirche, auf die Erhaltung der mittelalterlichen Zustände ausgehen.