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Einzelner thätig beweisen muß und in dem sich der Niedrigste soberufen und frei weiß, wie der Höchste. Wenn hier die Grund-lage der Freiheit gelegt war, so war für ihre Fortbildung nichtszu fürchten. Dies hatte Machiavelli tief durchschaut, als er einegründliche Wiedergeburt der Zeiten und Staaten nur in Folgeeiner kirchlichen Reformation erwartete. Er hatte die fürstlicheTyrannei zu diesem Zweck nur als ein Werkzeug des Nothbehclfsempfohlen; denn wiewohl der große Seher um 1513 eine Refor-mation als nahe bevorstehend verkündete, so sah er doch, daß sieder Nähe des Pabstthnms wegen in seinen romanischen Landennicht möglich sei, und er blickte mit neidischem Wohlgefallen auf diedeutschen Stämme hin, deren sittlicher, kriegerischer und gewerb-licher Tüchtigkeit er die Zukunft der Welt verhieß. Diese Voraus-sage hat sich bewährt. Jene Stämme, die die Reformation alleinund nur für sich durchsetzten, haben mit der alten hierarchischenReligion auch allein die mittelalterliche Zeit völlig abgelegt. Nurwo der päbstliche Einfluß vor der Freiheit des Glaubens und derForschung, die kirchliche Herrschaft über das Haus vor der Frei-heit des Geistes und des Unterrichts wich, wo die Kirche hinfortdem Staate und nicht mehr der Staat der Kirche angehörte, woder Staat hergestellt ward in die Rechte, in die sittliche Bedeu-tung und Würde und zu dem schützenden und bildenden Einfluß,den er im Alterthume besaß, nur da konnte der Mißbrauch, wel-chen Adel und Geistlichkeit im Mittelalter mit Eigenthum undBildung getrieben, abgestellt, die Unbildung und Unselbständigkeitder untern Stände allmählig getilgt, das Volk zur Theilnahmean den Gegenständen des menschlichen Ehrgeizes, an politischemEinfluß, an Cultur und Besitz berufen, und für die indivivuclleAusbildung ein weiterer Kreis gezogen werden, der nicht die be-vorrechteten Stände allein umfaßte. Daher nahm in allen prote-stantischen Landen die Gesellschaft sogleich trotz den vielen aristo-