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Einleitung in die Geschichte des neunzehnten Jahrhunderts / von G.G. Gervinus
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45
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rung der natürlichen Staatsthcile, nach landschaftlicher Sonde-rling, nach kleinen Staatsgebieten, und höchstens, wo sich größereNationalitäten in einem Staate zusammenschlössen, nach föderati-ver Vereinigung. Diese kleinstaatliche Verfassung gab dem Lebender germanischen Nationen überall, im Gegensatz zu den nachaußen strebenden romanischen Staaten, einen Zug inneren Lebensund friedlicher Neigung; selbst Holland und England sind zu dengroßen Kriegen mit Frankreich und Spanien nur durch Noth-wehr gezwungen worden und haben ihre Macht vertheidigenderobert.

Die germanisch - protestantischen Neubildungen in Staat und

Kirche verlangten Zeit zu ihrer Reife; die demokratischen Entfal-l^A'A

tungen namentlich, deren Keime in dem Grundwescn des Protestan- "'"stmnisch»

tismus lagen, konnten sich in größer» Staatskreisen erst allmälig "enda-

entwickeln. Doch war gleich bei der ersten Grundlegung der neuen ^^Ent-würfen zu

Freiheit in Luthers Zeit von Einzelnen der Aufriß schon des gan- kuthers Zeit.zen kirchlichen und staatlichen Gebäudes der Zukunft entworfen,ja an seine alsbaldige Ausführung Hand angelegt worden. Ein-zelne Sekten, einzelne vordringende Geister schritten gleich im An-fange der Reformation zu den Konsequenzen der neuen Richtungvor, die erst ihr entferntestes Ziel und Ende sein sollten. Derganze Kreis von kirchlichen und staatlichen Forderungen wurdeschon damals umschrieben, die zum Theil erst seit den Staatsver-änderungen in Amerika und Frankreich wieder erhoben und bisheute nicht überall, und nicht alle, befriedigt worden sind. ImReligiösen faßten schon einzelne Jnspirirte und Wiedertäufer denBegriff einer vcrnunftmäßigcn Reinigung des Christenthums undseiner Formen, für die erst die Urenkel ihrer ausgewanderten Send-boten in Amerika eine Stätte fanden. Sie verfolgten LuthersLehre von dem allgemeinen Prtesterthume aller Christen in der