Buch 
Einleitung in die Geschichte des neunzehnten Jahrhunderts / von G.G. Gervinus
Entstehung
Seite
52
JPEG-Download
 

32

tung der Dinge in Deutschland. Hier hätte Luthers prophetischesAnsehen keinem Fürsten gestattet, die Pabstrolle zu spielen. Hiermachten die bescheidenen Stellen der schlicht-bürgerlichen Geistli-chen sie nicht so abhängig, daß in ihnen der religiöse Frcimuth sobald hätte verloren gehen sollen. Hier waren die kleinen Fürstenin zu naher Berührung mit dem Volke und theilten mit ihm ge-gen Kaiser und Pabst ein zu gleiches Interesse, als daß sie aufdiesem kirchlichen Gebiete jenem Berufe der absoluten Fürstenge-walt, das Volk zur Freiheit zu erziehen, nicht unwillkührlich hät-ten nachkommen sollen. Hier war daher keine Revolution desVolkes zu fürchten, sondern nur die Reaktion von Kaiser undPabst, denen die Protestanten im Religionsfrieden von 1552 nureine Art Duldung in einer Art von Waffenstillstand hatten abrin-gen können. War in Folge der deutschen Zersplitterung und Unei-nigkeit die damals errungene Kirchenfreiheit eine unvollkommenenach außen, so war sie doch aus eben dieser Ursache nach innenvollkommener. Die Kirche ward hier territorial, sie theilte ihreGränze mit dem einzelnen Staate und nahm in jedem Landeeinen eigenen Fortgang. Der Mangel einer staatlichen Einheitoder einer einheitlichen Kirchenversammlung, oder eines großen,nach Einem Sinne geleiteten, von Einer Stelle abhängigen geist-lichen Körpers machte hier eine gemeinsame Verfassung, einestrenge dogmatische oder liturgische Einheit unmöglich; es gabhier, wie es dem Geiste des Protestantismus gemäß ist, evange-lische Kirchen, es gab nicht Eine evangelische Kirche, die nach demzerbrochenen Universalismus des Pabstthums ihre Glieder wiederin eine neue Gemeinsamkeit verbunden hätte.

s^rüh^ä'k- Dieser Lage der kirchlichen Verhältnisse entsprechen die poli-

ter der polit. . - .

D^,ttschl7i!ds rissen Veränderungen, dle INI Gefolge der Reformation m

zu Lmhcrs Deutschland eintraten, genau. Die monarchische Gewalt war an