War der Kaiser schwach, so gefährdete die Anarchie von un-ten alle Ordnung im Reiche; war der Kaiser stark, so gefähr-deten die neuen Machtverhältnisse und Machtbegriffe der österreichi-schen Fürsten die Freiheiten und Ordnungen des Reiches von oben.Jener Anarchie gegenüber, wo es selbst unter dem mächtigenKarl V. gegen den Bauernauftuhr und gegen einen Emporkömm-ling der Ritterschaft, wie Sickingen, keine Reichshülfe, bei allenZerwürfnissen der Stände unter sich keinen Schiedsspruch undAustrag gab, waren die Landesfürsten durchaus auf sich selbst undihre eigene Kraft gewiesen. Die Noth selbst legte ihnen den Berufauf, dem Faustrecht und der Gewaltthat der ritterlichen Aristo-kratie ein Ende zu machen. Auf der anderen Seite, der kaiserlichenMacht gegenüber, war die Gegenwirkung der Landessürsten durch-aus eine vaterländische Pflicht, der Widerstand gegen fremde Un-terdrückung. Die politische Aufgabe war hier dieselbe, wie diekirchliche demPabste gegenüber. Deutschland gegen Hispanien undRom zu vertheidigen, den Pfaffen und Spaniern nicht unter die ,Füße zu fallen, dies war Moritzens ausgesprochenes Ziel undBestreben. Der Sturz Karls V. war ein Sieg des nationalenPrincips über das fremde, der Sieg ständischer Freiheit und föde-rativer Staatsordnung gegen die Unumschränktheit der kaiserlichenGewalt. Dem Kaiser zu beweisen, daß er nicht ein Monarch, son-dern in der bündischen Aristokratie der deutschen Fürsten nur derErste unter Gleichen war, waren Ideen, die schon bei dem schmal-kaldischen Bündnisse zur Rede kamen und im Religionsfrieden von1552 durchgekämpft wurden. Die protestantische Bewegung setztedie Reichsreform trotz Kaiser und Pabst durch, die die Verbindungzwischen Kaiser und Pabst so lange verhindert hatte. Die aus-übende und richterliche Gewalt des Kaisers wurde, wie es langegewünscht war, mit den Ständen getheilt, die Kreisverfassungwurde ausgebildeter, der Landfriede wirksamer gehandhabt, das
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Buch
Einleitung in die Geschichte des neunzehnten Jahrhunderts / von G.G. Gervinus
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54
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