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Einleitung in die Geschichte des neunzehnten Jahrhunderts / von G.G. Gervinus
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59
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ward nur durch Todesfälle vereitelt. Wie dann die republikanischeOrdnung sich begründete, so ist hier keineswegs dadurch, im Ver-gleiche zu der mäßigen monarchisch - föderativen Reform inDeutschland, ein plötzlicher Sprung gemacht worden. Das föde-rative Band, das die Provinzen in ein Ganzes einigte, war hierum nichts fester oder politisch besser entworfen, als das derSchweiz oder Deutschlands; und dies particularistische Charak-terzeichen durchdringt alle germanischen Staatsverbände, so daßsich selbst in Amerika die bundeöstaatlichen Bande nur in gefährli-cher Zeit straff erhalten, in gefahrloser selbst trotz der Verfassungsich lockern. Je nach der äußeren Gefahr war es, daß in der Ge-schichte der Niederlande mehrmals die einheitliche, statthalterische,bundesstaatliche Partei der Generalstaaten mit der provinziellen,aristokratischen, staatcnbündischen Partei der städtischen Optimatenden Vorrang wechselte. Trotz diesem Wechsel aber ward nie ver-fassungsmäßig festgesetzt, wo eigentlich die bundesgenössische Ober-gewalt lag, beiden allgemeinen oder denProvinzialständen. Es istvon den Oraniern einigemal so gehandelt und einmal bei dem SturzeOldenbarneveldt's auch behauptet worden, daß die Souveränitätden Generalstaaten zustehe, aber das thatsächliche Verhältniß istdurchaus das entgegengesetzte gewesen. Die Provinzialstände hat-ten die ganze Macht an sich gerissen: die Gesetzgebung, die ganzeVerwaltung von Staat und Kirche, Anstellungen, Begnadigungs-recht, Besteuerung, die letzte Bestimmung über Krieg und Frieden.In den Provinzialständen aber hing alles wieder von den einzel-nen Städten ab. Sie wählten nicht allein die Abgeordneten indie Provinzialstände (wie diese wieder zu den großen Generalstaa-ten), sie konnten auch noch eine Art von körperschaftlichem Vetoausüben; die mächtigsten darunter sind zu Zeiten, wie deutscheFürsten, wie schweizer Cantone mit den gefährlichsten Feinden imBunde gewesen. In amtlichen ständischen Schriften an die Königin