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Zwecken ansehen; er mußte dem unversöhnlichen Haß aller großenReichökörperschasten und der Stadt Paris gegen die provinziellenTendenzen der Hugenotten nachgeben; selbst die protestantischenPrediger hatten die Klugheit, den König znrRückkehr in die katho-lische Kirche zu bestimmen. Eö kam hinzu, daß der Calvinismusdurch die lästige Strenge seiner Sittenrensur bei den Großen anReiz verlor. Er schien für die ehrenfeste bürgerliche Aristokratie,die mit dem Volke einerlei Sitte und Beschäftigung theilte, mehrgeschaffen als für den Geburtsadel, der sich bald nach den Herr-lichkeiten des Hofes zurückzog. Sobald sich aber die höhere Gesell-schaft dem Calvinismus ferner stellte, geschah hier, was sich auchin England schon vorbereitete: auf das Volk zurückgedrängt, ent-faltete er schnell seine demokratischen Anlagen, die alles Regimentin Schrecken versetzten. Im Edikt vonNantes erzwängen sich (1598)die Protestanten das Recht, kirchliche Synoden und weltlicheKreisversammlungen zu jeder Zeit, an jedem Ort, ohne jede Ge-nehmigung zu halten, Fremde zuzulassen und fremde Versammlun-gen zu beschicken, ohne irgend eine Erlaubniß einzuholen. Dieswaren unhaltbare Rechte, die die Katholiken selbst nicht besaßen;gegeben oder genommen unterhielten sie Mistrauen und Span-nung im Lande. Das Mistrauen wuchs, als der milde Hein-rich IV. starb, und der Hof nun in verwandtschaftliche Verbin-dungen mit Spanien trat und eine veränderte Politik gegen dieProtestanten einzuschlagen schien. Sie hatten langeher eine abge-sonderte Macht gebildet, mit der man wie mit einem fremdenStaate unterhandelte. Sie hatten ihre eignen Waffenplätze, vonwo aus sie zur See dem protestantischen England, zu Land derPfalz die Hand reichen konnten. Die Pfalz war schon im 16. Jahr-hundert einmal zum Bundeshaupt über Frankreich auöersehen ge-wesen; wie viel gefährlicher ward dies unter Ludwig XIII., alsder Psalzgraf im Begriffe war, sich die böhmische Krone aufzu-