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setzen, da Oesterreichs Stern ganz zu erbleichen schien, da die Kaiser-krone auf das ehrgeizige pfälzische HauS übergehen konnte, undeine in Böhmen geglückte Revolution für die Protestanten inFrankreich das Signal geworden wäre zu einer neuen Erhebung,die dem Lande nur eine neue Anarchie eingetragen hätte. Es wardaher nicht zu verwundern, daß Richelieu, als er Ludwig XIII.und Frankreich zu beherrschen begann, dem Könige die Protestan-ten als die gefährlichsten Thron- und Landesfeinde darstellenkonnte, deren politische Macht, deren kriegerische Befestigungenund fremde Verbindungen er nun mit Gewalt niederwarf. IhreReligion ward von ihm nicht beeinträchtigt. Doch bahnte er demRegiecungssystem den Weg, unter dem sie von Ludwig XIV. inFrankreich wieder vertilgt werden sollte.
In Deutschland war das Volk gewöhnt worden, sich beiallen kirchlichen Bewegungen passiv in Bezug auf den Staat zu P^'^nus-verhalten; der unruhige staatsgefährliche Geist des Calvinismus D-mschland.verleugnete sich gleichwohl auch hier nicht, äußerte sich aber höchstcharakteristisch nur in monarchischer Sphäre, wohin er sich ausden Berührungen mit Frankreich verpflanzte. Es war hier indem unvollkommenen Religionöfrieden der Keim einer neuenZwietracht zurückgeblieben. Aus dem Grundsätze der katholischenKirche, daß geistliches Gut unveräußerlich, Bischöffe und Capitelnur die Verwalter der kirchlichen Güter seien, hatten die Katholi-schen den sogenannten geistlichen Vorbehalt durchgesetzt, wonachjeder Bischofs und Prälat durch den Uebergang zum Protestantis-mus seine Stelle verwirkte. Der Versuchung, daß sich die geist-lichen Fürsten zu weltlichen und erblichen Herrn machten, ward sovorgebeugt. Diesem Vorbehalte war im Laufe der Zeit hier undda entgegengehandelt worden. Die katholischen Stände verlang-ten die Zurückgabe der so entzogenen Güter, die protestantischen