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Einleitung in die Geschichte des neunzehnten Jahrhunderts / von G.G. Gervinus
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versalmonarchischen Planen Spaniens nnd Oesterreichs in Europafür immer ein Ende zu machen. Als aber später Ludwig XIV.selbst in die Fußtapfcn der ländergierigen spanischen Politik ein-trat, vernichtete er den Protestantismus. Zur Zeit der Revolutionwieder, so lange Frankreich aller Religion Hohn sprach, predigtees Völkerverbrüderung und zog einen Gürtel kleiner verbündeterRepubliken um sich her. Und hierauf kehrte es wieder zur Uni-versalmonarchie zurück, indem es zugleich zum KathvlieiömuS undPabstthum zurückkehrte. So schien kein Universalrcich je denBund mit dem Pabstthum entbehren zu können, nnd Napoleon,auf dem Wege zu diesem Ziele begriffen, hätte so wenig wieKarl V. dem Protestantismus wagen dürfen die Hand zu reichen,obgleich er selbst das Gegentheil versicherte.

Auf der anderen Seite haben die protestantisch-germanischenVölker gegen die übergroße Territorialmacht der Staaten nichtnur überall angekämpft, es ist auch von ihnen aus nie ernstlich derVersuch zu großen StaatSeinheiten und Universalreichcn gemachtworden. Das römische Kaiserthum war in Deutschland eine vonaußen eingetragene Idee und hatte nie im Volke Theilnahme er-regt. Selbst das nur halbdeutschc Oesterreich hat nie den Gedan-ken eines einförmigen Einheitsstaats ausgeführt. Preußen hatseine provinzialen Selbständigkeiten nur zu sehr geschont. Diedrei skandinavischen Reiche haben nicht einmal eine Union ertra-gen, die von Lage, Verhältnissen und Stammverwandtschaft gebo-ten schien. Selbst das mächtige England ist anS drei kleinen,ursprünglich nur schwach bevölkerten Staaten zusammengesetzt,und die legislativen Unionen mit Schottland nnd Irland sind nurzu Stande gekommen in Zeiten äußerer Gefahr (1707, 1800).Groß wie England durch seine Colonien geworden ist, so hat esihnen doch nie wie Spanien die Staatseonformität auferlegt,noch hat es eigentliche Machtvergrößcrung durch sie erhalten, da