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sie mehr Aufwand erfordern als Ertrag abwerfen, und ihre mili-tärische Besetzung die Kraft des Muttcrstaates eher schwächt alsvermehrt. Aber auch im Inneren ist England so organisirt, daßes, schon aus Mangel an einem stehenden Heere, nie ein erobern-der Staat werden könnte; seine Größe ist nicht aus dynastischerPolitik entstanden, sondern aus der Thätigkeit seiner Einwohner,der es um Frieden und selten um Kriege gilt. bind ebenso steht esmit den Verfassungs- und Machtverhältnissen der VereinigtenStaaten. Nirgends ist die Gleichförmigkeit der Staatsbildung,nirgends der einheitlich zusammengefaßte Gebrauch der Machtweder in dem germanischen, noch in dem protestantischen Geniusgelegen; der Typus germanischer Staatsordnung ist vielmehr,wie ganz im Anfange der Geschichte so noch heute, in Völker- undStaatcnbündnissen gelegen (Deutschland, Schweiz, die Hanse-und Städtebündc, Niederland nnd Amerika), deren centrale Ein-richtungen möglichst locker waren und kaum durch äußere Gefah-ren, kaum durch die höher gestiegene politische Erfahrung undTheorie straffer gezogen werden konnten. Der Hang dieserStämme zu individueller Ausbildung bedingte in Staat undKirche diese Gliederung in kleine Gesellschaften, die überall einZeichen höherer Cultur ist, wie selbst in der Natur die großen,gleichförmigen Räume nnd Massen immer von höheren Organis-men entblößt sind. So war denn auch Frankreich in dem Augenblicke,als die evangelischeLehrcEingang fand, von dem Eindrang des ger-manischen Sondergeistes, von dem Zerfalle in kleine Staatsgebiete-bedroht. Seine Einheit schien nicht erhalten werden zu könnenohne das Opfer des Protestantismus, wie der Protestantismusin Deutschland nicht ohne das Opfer der Einheit. Durch die gan-zen Religionskriege in Frankreich ziehen sich die Plane der prote-stantischen Großen hin, sich unabhängige Fürstenthümer zu bilden.Der Prinz von Conde faßteAnjou und Poitou für sich ins Auge, der