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Einleitung in die Geschichte des neunzehnten Jahrhunderts / von G.G. Gervinus
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Herzog von Bouillon Perigord und Limosin, der Graf von Sois-sons, die protestantischen Führer im Süden wieder andere Theiledes Reichs. Bouillon hatte nichts Geringeres im Sinne, alsFrankreich zu einer Art Föderativrepublik umzuschaffen unter demSchutze des Churfürsten von der Pfalz, und die einzelnen Pro-vinzen zu Statthalterschaften der protestantischen Edeln zu ma-chen. Diese Plane arbeiteten den sprichwörtlich gewordenen Rän-ken Spaniens, seinem Zwecke Frankreich unschädlich zu machen,vortrefflich in die Hände. Es köderte seinerseits die ligistischenFührer mit den ähnlichen Aussichten und belehnte den Herzog vonSavopen mit Provenre, den Herzog von Nemours mit Lyonnois,während Mayenne nach Herstellung eines unabhängigen Burgundstrebte. Hätten damals die französischen Großen eine territorialeHerrschaft und einen Volköanhang in alter Gewöhnung hintersich gehabt, wie die deutschen Fürsten, so war es unausbleiblich,daß Frankreich eine ähnliche politische Gestalt wie Deutschlandangenommen hätte. v

Heinrich IV. Heinrich IV. und sein Sully sahen es für ihren Beruf an,Frankreich, das die gefahrvolle Einheit der päbstlichen Kirche unddes spanischen Staats auf beiden Seiten hatte, vor einer solchenZersplitterung zu bewahren; auf der andern Seite wollten sie denallverschlingenden Ansprüchen der päbstlichen Kirche und der be-drohenden Macht Oesterreichs und Spaniens für alle Zeiten un-überwindliche Dämme entgegenwerfen und allem Universalstaateund aller Universalreligion ein für allemal ein Ende machen. Siehatten mit Elisabeth und Jakob I. von England zu diesem Endeden großen Plan vereinbart, Europa zu einem Gemeinbunde zumachen, der durch eine schiedsrichterliche Amphiktyonie in Friedenerhalten und worin die drei christlichen Hauptbekeniitiiisse gleichberechtigt geduldet, die drei Hauptstaatsformen zugelassen werden