105
sollten. Das österreichische Haus sollte auf Spanien beschränktwerden und seine italienischen und niederländischen Besitzungen,so wie das Kaiserthum verlieren; die europäischen Staaten solltenin fünf Erbmonarchien, fünf Wahlreichen und vier vergrößertenRepubliken (Schweiz, Belgien, Italien, Venedig) durch richtigeGrößenvertheilung in Gleichgewicht gesetzt, die Macht Spaniensdadurch gebrochen werden. Frankreich und England selbst wolltenmit dem Beispiele der Mäßigung vorangehen und für sich selbernur geringe Vortheile bedingen; die Mittelstaaten aber solltendurch Befriedigung ihres Eigennutzes, durch bedeutende Ver-größerungen gewonnen werden. Hätte dieser Plan ausgeführtwerden können, so wäre Deutschland der 30jährige Krieg und demhalben Welttheile jene große Reaktion des 17. Jahrhunderts, dievorhin geschildert wurde, erspart worden; und der Absolutismushätte auf eine glänzende Art in einem ganz Europa umfassendenWerke seinen Beruf bekundigt, der Erzieher zur Freiheit und Bil-dung zu werden. Allein so ideelle Bahnen sind dem Laufe derweltlichen Dinge nicht angewiesen. Dieser Plan war eine Chi-märe so gut wie die heilige Allianz und die Weltrepublik derDemokraten; abhängig von dem Wahne, daß in den Mittelstaatcndie Vergrößerung den Ehrgeiz dämpfen und nicht vielmehr schürenwürde, und von der Voraussetzung, daß sich immer so mächtigeund treffliche Fürsten wie Elisabeth und Heinrich IV. fänden, umihre Hände über dem Bunde zu halten. Es war ein Plan so sehrgegen die Neigungen aller gewöhnlichen Menschen, daß selbst inHeinrichs Staatsrath kein zweiter neben Sully war, dem manohne Gefahr nur davon hätte sprechen dürfen. Er verschwand da-her mit Heinrichs Tode und Frankreich ging seitdem die ganz ent-gegengesetzten Wege. Es ließ sich den Protestantismus rauben,den Heinrich IV. in der ganzen Welt beschützen wollte, und es