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Einleitung in die Geschichte des neunzehnten Jahrhunderts / von G.G. Gervinus
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umschränktheit gebrauchte. Er war ein Absolutist ganz nach Ma-chiavelli's Sinn, dessen persönliche Leidenschaften sich mit denenfür das Slaatsinteresse verschmolzen, dem man seine grausameävärte verzieh, weil er dem Staate nach außen eine nie besesseneMacht gab, dessen Bestrebungen, weil sie dem Staat förderlichund in rücksichtsloser Consequcnz verfolgt wurden, von stets treuemGlücke begleitet waren.

Ludwig xiv. Dem Despotismus Ludwigs XIV. hatte Richelieu so dieBahn gebrochen. Wenn der Minister schon zu seinem scharfenRegimente durch den Widerstand unverträglicher Elemente gereiztwar, so traf derselbe Fall in einer viel persönlicheren Weise beiLudwig XIV. zu. Gleich nach Richelieu's und Ludwigs XIII.Tode (1042) drangen die Wirkungen der englischen Revolutionnach Frankreich herüber. Das Pariser Parlament suchte nach demMuster des englischen die Rolle der Natioualvertrctung zu spielen,das Bolk und einige unruhige Große schlössen sich in dem Fronde-krieg während Ludwigs Minderjährigkeit ihm an. Die KöniginRegentin war aus flüchtigem Fuß; es schien eine Weile als ob derfranzösischen Königsfamilie dasselbe Schicksal bevorstände, das soeben die englische flüchtig und elend nach Paris geführt hatte. Indiesen Verhältnissen erwachsen, im Hinblick auf die HinrichtungdeS englischen Königs und die Macht der englischen Republik,mußte Ludwig schon durch innere Vorgänge aufdaö System Riche-lieu's zurückgewiesen werden. Was ihn aber noch mehr hindrän-gen mußte, war die Schwäche dieses ersten und letzten Widerstan-des selbst, den er zu erfahren hatte. In jenem Kriege der Frondewar nichts mehr zu finden von dem raschlodcrndcn Parteifeucr derfrüheren Zeiten und nichts mehr von den Bewegungen um eingroßes geistiges, oder staatliches, oder auch nur körperschaftlichesInteresse. Was konnte das für eine Revolution sein, in der ein