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Einleitung in die Geschichte des neunzehnten Jahrhunderts / von G.G. Gervinus
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Intrigant wie der Cvadjutor von Paris der erste Volkstribun^ war! Alles war ei» Spiel kleiner Hofränke gegen einen Minister,der große Adel nur in wenigen Resten dabei thätig, die Prote-stanten ganz außer dem Spiele; selbst die großen Feldherrn, diesich nachher so tauglich unter Ludwigs Leitung erwiesen, spieltendamals klägliche Rollen. Es war als ob an dem erschöpften Kör-per der Nation jedes Glied den Dienst versagte. Das Hauptschien für alle eintreten zu müssen. Wie nun unter den unge-heueren Staatsveränderungcn während Lndwig'S langer Regierungdie Folgen des Umsturzes der alten Feudalzustände erst fühlbarwurden; wie der vervielfachten Tyrannei auf den Gebieten derGroßen ein Ende gemacht ward, bei denen Menschen und Eigen-thum nicht geachtet waren, die beide jetzt eine» neuen Werth er-hielten; wie die mittleren Stände sich nun in Tracht und Sittenden Oberen gleich stellten, die äußeren Abzeichen des Rangs undBerufeö fielen, dem geistigen Verdienste Ehren zuerkannt wurdenwie der Geburt, der Kunst und Wissenschaft wie den Waffen; wiedie Thätigkeit der erwerbenden Klassen jetzt einen geschützten Er-trag brachte, ver Wohlstand durch innere Ordnung und Ruhe ver-bürgt und dadurch die Möglichkeit größerer Unternehmungen undsicherer Berechnungen gegeben war; und wie dann die Staatsver-waltung ihre großen Hülfsmittel dieser neuen Rührigkeit in derNation entgegenbrachte und mit Colonisatiou, Schifffahrt, politi-scher Machtstellung dcm Laudbau, dem Handel und der Industrieganz neue Verhältnisse gab, wie sollte es da nicht Jedem klar ge-worden sein, daß die Despotie des Eine» sich eher als die Will- 'kühr der Mehreren mit dem Staatsinteresse vereinige, wie sollteman nicht innrer allgemeinen Wohlthat willen über die einzelnenHärten der Gesetze, die Last der Auflagen, die Fehler der Ver-waltung hinweggesehen haben! Die getheilten Interessen der Kör-perschaften traten vor dein gemcinsamenLandesintcresse zurück; das