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über Staatsverwaltung; die ersteren machten ihre Wirkungennach Amerika hinüber, die letzteren fast an allen europäischen Hö-fen. In Frankreich selber schlugen beiderlei Wirkungen zusammenzu dem furchtbaren Ansbruch der Revolution von 1789.
N-u- Grund- Die erklärlichste Wirkung, die Ludwigs XlV . glänzende Herr-
Ätun"° schaft auf die europäischen Höfe machte, war, daß sie zur Nachah-mung seines Militärsystems und seines Vergrößerungsstrebensaufforderte. Ein Heer von 400,000 Mann, das Ludwig zuletztbesaß, ein allbereites, stehendes Heer, das nicht mehr weder vondem guten Willen der Lehnsherrn, noch von der Bewilligungständischer Unterhaltungömittel abhängig war, dies war auf dereinen Seite ein so sicheres Mittel der absoluten Herrschaft, undauf der anderen eine so gefahrdrohende Macht für alle Staaten,daß dies Beispiel durch Verführung und Nöthignng zur Nach-ahmung bestimmte. Im Osten thürmten sich Militärstaaten aufMilitärstaaten auf: Oesterreich, Preußen, Schweden, Rußland,Polen, Türkei, Staaten, die an rohen Massen Ueberfluß hatten,in die noch kaum ein Strahl von der geistigen Aufklärung, kaumeine Spur von dem bürgerlichen Gewerbfleiße aus dem WestenEuropa's eingedrungen war. Der Staat trat hier aus dem feu-dalen Militäcweseu heraus, nur um ein anderes, der unumschränk-ten Fürstengewalt günstigeres, für die Staatsentwickclung nochgefährlicheres an die Stelle zu setzen. Aber selbst in diesenStaaten führte die Uebcrspannnng deS absoluten Systems aus sichselbst zu einem Gegengewichte. Das gesteigerte Heerwesen ver-langte gesteigerte Mittel und eine erhöhte Steuerkrast iin Volke.Dies nöthigte die Fürsten, sich seinen Interessen zu widmen. DasGedeihen der freien Weststaaten machte sie lüstern nach den ähnli-chen Früchten des Gewerbfleißes und des Handels. Die neuenphysivkratischen Staatslehren versprachen ihrerseits den Ackerbau