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Völker Glück von oben herunter zu begründen. Was für die Ab-solutie in ihren ersten Anfängen im 15. Jahrhundert die Aufgabewar: den Stand der Gemeinen zu heben, um das Staatsganzezu erhalten gegen die aktive Gewalt des Adels und der Hierar-chie, das war sie auch jetzt noch, nur in einem geringeren Grade:die unteren Stände emporzuheben, um die passive Staatsschäd-lichkeit der oberen Stände, ihre Steuerfreiheiten und Vorrechte zubeseitigen oder weniger fühlbar zu machen. Diese Vorrechte undVorurtheile der höheren Stände wurden in dem Eifer der ministe-> riellen und fürstlichen Reformen jener Zeiten wirklich, mehr oderminder schonungslos, angegriffen. Wieweit dieser Eifer ging, weistmehr als Alles die Stellung eines Leopold und Joseph II. gegenden päbstlichen Stuhl aus, und die Aufhebung des Jesuitenor-dens, welche die Bourbons ihm abzwangen. In allen protestanti-schen Staaten nun, wo eine Gegenwirkung der Geistlichkeit nichtStatt hatte, durfte man die kühnen Neuerungen wagen. DasVolk war langsam vorbereite! sie zu begreifen; und über Deutsch-land konnte die höchste Blüte der Kunst und Wissenschaft, des phi-losophischen und religiösen Freisinns ausgebreitet, es konnte einevöllige Umgestaltung der geistigen und gesellschaftlichen Zuständebegründet werden, ohne weder Widerstand zu finden, noch Schadenzu stiften. Aber in den katholischen Landen scheiterten alle jeneVersuche an dem Widerstände der ungleich befestigteren Macht vonAdel und Priestern, und an der ungleich geringeren Vorbereitungdes von ihnen gegängelten und unmündig gehaltenen Volkes.Dies war das Schicksal Josephs II. in Ungarn und Belgien, undder ministeriellen Reformen in Spanien, Portugal und Neapel.Auch in dem katholischen Frankreich schienen dieselben Versuche andemselben Widerstände der bevorrechteten Stände scheitern zusollen. Turgot war ganz auf demselben Wege, diese Stände zuden Staatsleistungen herbeizuziehen, Frohnden, Servitute, Privi-