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Absolutie ein zweites größeres geworden, weil sie von dem Staats-zweck auf die persönlichen Zwecke übergcglittcn war, ihre Gewaltverewigt, ihre einheitliche Centralisation überspannt, und so inden Staat Zerrüttung und zwischen die Zustände des Lebens unddie Ansprüche der Bildung einen grellen Widerspruch gebrachthatte. Gegen diese Gebrechen kehrten sich Montesquieu und Rous-seau in ganz entgegengesetzter Weise. Montesquieu sah dcu Haupt-schaden in den Resten des Lehenstaatcs, der allen vaterländischenSinn untergraben hatte. Nach einer besseren Staatsordnungsuchend blickte er rückwärts in die Vergangenheit auf die alt - ger-manische Verfassung zurück, die ihm in der Feudalordnung aus-geartet, in der englischen Verfassung mitsammt dem verlorenenStaatssinne der alten Welt vollendeter hergestellt schien. DieseVerfassung empfahl daher Montesquieu in einem Werke von ganzwissenschaftlicher Natur, das nur wenigen Gebildeten zugänglichwar. Er sprach sich darin schonend und furchtsam aus: er wolledenken lehren, weil er nicht Alles sagen dürfe; er wolle, indem ereine freie Verfassung lobe, die bestehende nicht tadeln; ja er findedas Uebermaas der Vernunft und Freiheit nicht einmal wünschens-werth, weil der Mensch sich überall in der Mitte besser bewege alsin den äußersten Enden. Gerade alles dieses, was Montesquieunicht wollte, that dann Rousseau desto greller; und von dem wasMontesquieu wollte und lehrte, lehrte Rousseau das gerade Ge-gentheil. Er predigte das äußerste Maaß der Freiheit; und dieErfahrung galt ihm nichts gegen die Forderungen, die die Ver-nunft an das Staatsleben erhob. Und dieß predigte er, an Allegerichtet, in einer Allen faßlichen Weise und in einem offenenKampfe gegen alles Bestehende. Er sah den Hanptschaden in derdauernd gewordenen Tyrannie, nicht in den Fcndalrcsten. Erempörte sich gegen die Saumaise und Grotius, die den Despotis-mus in ein System gebracht hatten und er setzte gegen ihre Theorie. 0 *