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Einleitung in die Geschichte des neunzehnten Jahrhunderts / von G.G. Gervinus
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von der Srlaverei und dem Thierwerth des Menschen die Lehrevon den unveräußerlichen Menschenrechten. Die lutherische Lehredes leidenden Gehorsams, daß Gott die bösen Könige in seinemZorn zur Strafe schicke, verhöhnte er auf dem politischen Boden:man wisse, daß man einen schlechten Regenten tragen müsse, eshandele sich darum einen guten zu finden; es sei gut, wenn sichein Volk einem Stärker« unterwerfe, wenn es die Gewalt ab-werfe sei es besser. Der Genfer Calvinismus sprach aus diesenSähen. Die politische Revolution sollte jetzt aus dieser Zu-fluchtstätte dcö freien französischen Geistes gepredigt werden, wieeinst die religiöse Reform. Es waren alte ealvinistischc Staats-lehren, die Rousseau's Gedankensysteme zu Grunde lagen. Sohatte schon Junius Brutus (Languet) um 1577 die Gesetze inKraft eines stillschweigenden natürlichen Vertrags höher als denfürstlichen Willen gestellt und das Volk befugt erklärt, die Herr-schaft des Gesetzes zu erzwingen, weil das Volk den Staat aus-mache und nicht der König. So hatte schon Milton der Menschenund Völker Recht auf Freiheit für angeboren und unveräußerlicherklärt. So war schon in dem ealvinistischen Recht der Gemeinde,das religiöse Gesetz auszulegen, praktisch der politische Grundsatzder Volksgesetzgebung, der Volksherrschaft gelegen. In diesennämlichen Ideen arbeitete Rousseau. Er wüthete gegen die Un-natur, daß der Mann einer zufälligen Geburt als Erbkönig überein Volk gebieten, daß Kinder die Greise und Wenige die Vielenregieren sollten. Er setzte gegen die hierarchische Staatslehre einenaturrechtliche, gegen die theologische Grille von der Göttlichkeitder Monarchie die juristische Firtion von dem Gesellschaftsvertrag.Sollte die Offenbarung auf die Monarchie weisen, so wies er mitder Vernunft und dem natürlichen Rechte auf die Volksherrschaft.Er haßte daher die englische Verfassung, die Montesquieu pries.Sein Ideal einer Staatsform war das urdeutsche, das in der