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Einleitung in die Geschichte des neunzehnten Jahrhunderts / von G.G. Gervinus
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kommen und nicht zurückbegehrt. In Amerika aber ward nun eingleiches Recht begründet, nicht als ein positives, wie ein Privat-eigenthum erworbenes, sondern als ein angeborenes, natürliches,vom Gesetz und Herkommen unabhängiges Recht. Es ward eineallgemeine Freiheit verkündet, nicht als eine geschichtliche That-sache, sondern als eine Idee. Man knüpfte die politischen For-derungen nicht mehr an bestehende Verhältnisse, noch an religiöseSätze an; man begründete sie mit dem selbständigen politischenGedanken und richtete sie an eine Menschheit, die in Folge dergeistigen Erwcckung des Jahrhunderts politisch zu denken begon-nen hatte. Man stellte den Staatsgcsetzen leitende Berminftsätzevoraus, die allgültig waren; man bezeichnete einen gewissen Geistder Freiheit und Menschlichkeit, der, von allen besonderen Ver-hältnissen absehend, jede besondere Gesetzgebung als allgemeinerGrundsatz voraus bestimmen sollte. Diese beiden Eigenschaftendes Idealismus und Universaliömus, jene Bewußtheit des politi-schen Gedankens und seine Allgcmeingültigkeit, waren es, dieseitdem eine gänzliche Veränderung in den politischen Zuständenund Bildungen der Welt bewirkt haben, indem sie stufenweise dieVölker politisch emanripirten, den Geist und die Kraft ausbreite-ten, der die amerikanische Revolution selber erzeugte, die Theil-nahme der Vielen au ihren staatlichen Interessen und Schicksalenerweckten. Die furchtbare Gewalt, die in jenen beiden Eigenschaf-ten der amerikanischen Staatsgrundsätzc gelegen war, empfand mannicht sogleich. Erst als sie ihre ersten Wirkungen in Frankreichmachten, als dort dieselbe Bewußtheit und Allgemeinheit der poli-tischen Ziele hervortrat, als die Männer von 1789 ihre Revolu-tion als einen Schritt zur Befreiung von ganz Europa, als einDenkmal errichtet zur Belehrung der ganzen Menschheit priesen,erst da zitterten die Anhänger des Alten in England, die noch kurzzuvor der amerikanischen Freiheit das Wort gesprochen hatten.