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bestehenden Dingen längst vertilgt worden war. Es war dahernicht denkbar, daß hier mit so verwittertem Materiale ein konstitu-tioneller Staatöbau in so leichter Mühe ausgeführt werde könntewie in England, in einer Zeit wo das Königthum langeher durchdie Einebenung der Gesellschaft, und die Literatur durch ihrenfreisinnigen Gegenschlag gegen allen Regierungsdruck den öffent-lichen Geist angefangen hatten zu demokratisiren. ES war abereben so wenig denkbar, daß dieser demokratische Geist mit so leich-ter Mühe, wie in Amerika geschehen war, die alte Gesellschaft und >
ihre Ordnungen überwunden hätte. Denn immer waren dieseOrdnungen da; und was die Amerikaner in England hinter sichgelassen hatten, sollte hier im Raume abgestoßen werden. Dieß ineinem ersten Anlaufe zu erreichen, vermochte selbst die Schreckens-herrschaft nur vorübergehend. Hätte sich Frankreich in seiner Re-volution für Eine der beiden Verfassungen, die englische oderamerikanische, fest und bestimmt entscheiden können, so war fürdie künftige Herrschaft dieser Verfassung in Europa ein großerAusschlag gegeben. Die Sache der Freiheit war in Frankreich undin dem Welttheile gesichert. Es war dann jenes Dreieck freierStaaten im Westen gebildet, das For für ein unüberwindlichesBollwerk gegen den Despotismus ansah. Diese Entscheidung aberwar in Frankreich unmöglich. Die eigenthümliche Schwankungdieses Staates zwischen protestantischen und katholischen, germa-nischen und romanischen, freien und despotischen Elementen, aufdie wir in seiner ganzen Geschichte hindeuteten, machte sich auch indieser großen Krise wieder geltend. >
Dies Schwanken zeigte sich nicht etwa in jenen raschen Ueber- Unsicherheitgangen, die die Revolution durchlief, von der unumschränktenbeschränkten Monarchie, von da zur Republik und von da durchOligarchie und Absolutie zurück zur konstitutionellen Monarchie.