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Einleitung in die Geschichte des neunzehnten Jahrhunderts / von G.G. Gervinus
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gerade, scheinen sich, mehr als aus den Anstrengungen der befrei-ten Völker selber, aus den zufälligen Vortheilen der politischenLage und aus dem Interesse zu erklären, das mächtige Staaten,und namentlich England, am Gelingen dieser Bewegungen hatten.Dagegen sind Ungarn, Polen, Sicilieu, die Lombardei undSchleswig-Holstein wieder unterdrückt worden, die Republik inFrankreich ist gefallen, die Einheitsversuche in Deutschland undItalien sind mißlungen. Der östliche Fürstenbund ist siegreich ge-blieben über die Streifzüge der Revolution in seinem Gebiete.Das Dreieck dieser eng verbündeten Staaten, in denen der gemein-same Raub Polens das gemeinsame Interesse erzeugt hat, miteiner gleichen volksfeindlichen Richtung ihrer inneren Politik denWiderstreit ihrer übrigen äußeren Interessen und selbst die Eifer-sucht der Macht zu überwinden, scheint an Festigkeit und Gewichtjenes For'sche Dreieck im Westen weit zu überbieten, das ohne festeVerbindung ist, gebildet von drei an Macht und Industrie wett-eifernden Staaten, von welchen zwei sich in ganz verschiedenenVerfassungen bewegen, und der dritte zwischen anderen Formenhin und herschwankt. In jenem Ostbunde steht Rußland als dasausgedehnteste Reich zweier Wcltthcile, von einer unversehrtenNationalität, unberührt in seinem Kerne von dem was Europabewegt. Es hat neuerdings das große Oesterreich durch seine ret-tende Hülfe in Ungarn bis zur Abhängigkeit verpflichtet, undPreußen hat es immer in seiner Abhängigkeit gehabt, seit es indie Erbschaft der Napoleonischen Weltmacht eintrat. Denn dießwar das schwere Gegengewicht, womit Napoleon die vielen wohl-thätigen Staatöeinrichtungen, die er ausbreitete, aufwog, daß er,scheiternd an dem Plane, die Zukunft der Welt auf die UebcrmachtFrankreichs zu begründen, sie vielmehr Rußland über- und hinter-lassen zu haben schien. Seitdem er sich diese Macht in dem TilsiterFrieden zu dem starken Freunde kaufte, den er gegen England auf