Als ob es gälte, dem Fortschritte der Freiheit jede oberfläch-liche Eile zu wehren, droht daher heute die Universalherrschaft,die Fessel der Bildung und Freiheit, gefahrvoller sollte es scheinenals je, nicht mehr von den katholisch-romanischen Völkern aus,die von dem germanischen Geiste mehr und mehr angesteckt wurden,sondern von den griechisch-slavischen, die allen europäischen Stäm-men an Cultur und Religion feindselig gegenüberstehen. Es sindrohe Massen in unwirthlichen Gebieten, die zum Verlassen mehrauffordern als zum Bleiben. Massen, die handlich in der Handeines Despoten und Eroberers sind, von Einem Glauben zusam-mengehalten, dessen alleiniges Haupt, der Czar, alle weltlicheund geistliche Macht in jenem furchtbaren Verbände besitzt, dervon den Universalherrschern des Westens so eifrig gesucht ward.Was die Gefahr noch immer höher steigert: in diesen slavischenStämmen wird das Gefühl eines feindlichen Gegensatzes gegenEuropa, einer großen Gemeinsamkeit, eines weltgeschichtlichen Be-rufs, die überbildete Gesellschaft zu verjüngen, durch eine pansla-vistische Literatur und Politik unterhalten, was den Zusammenstoßzweier verschiedener Staatsprinzipien zugleich zu einem großenKampfe der Volksstämme zu machen droht. Dieß ist noch nichtAlles, was die Aussichten Rußlands ins Gränzenlose auszudeh-nen verspricht. Auch im Räumlichen ist dieselbe Gunst der Ver-hältnisse zu bemerken, wie in den Beziehungen deS Staats, derStämme, der Religionen. Schon hat Rußland die Türkei umgroße Gebiete in Asien und Europa beraubt, es hat in allen grie-chischen Bekenncrn im Oriente natürliche Verbündete. Gelängees ihm bei einer glücklichen Gelegenheit, das türkische Reich zuverschlingen, so hätte es außer diesem unschätzbaren Erwerbe imRücken das größte, der Wiedergeburt bedürftige Festland, das ihmeine unermeßliche, zusammenhängende Herrschaft, eine unweit
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Buch
Einleitung in die Geschichte des neunzehnten Jahrhunderts / von G.G. Gervinus
Seite
160
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