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nützlichere und sicherere Machtausdehnung entgegenböte, als sieje Spanien oder England in ihren Pflanzstaaten besessen haben.
Was über diese Gefahren von Osten her auf der anderen dIHASeite beruhigen mag, sind die Erfahrungen aller früheren und Emu«,auch die der neuesten Geschichte selbst. Was einem Manne wie Na-poleon, von Frankreich aus, mit Franzosen und mit dem halbenEuropa im Bunde, nicht gelungen ist, das möchte Rußland nochschwerer werden auszuführen. Viel weniger hätte man erwartet,daß Oesterreich, getheilt in eine bunte Verschiedenheit von Natio-nen , mit Beamten und Subalternen noch einmal das System des(lopri^soi-, des Gesammtstaates, oder eines großen Reichs derMitte versuchen würde, ein System, das dem fähigsten Gewalt-haber, Soldaten und Staatsmanne mit dem einheitlichsten Volkefehlschlug, das in Oesterreich selbst dem edlen Joseph mißlungenwar, und an dem sich selbst eine verbundene Napoleonische Kraftund Josephinische Herzensgüte vergeblich versuchen würde. Uni-versalherrschaften gedeihen nur auf den Trümmern verfallenerStaaten und nach gänzlicher Erschöpfung der Volkskräste. In die-ser Hinsicht täuscht man sich leicht über das Alter Europa's unddie angebliche Entartung seiner Civilisation. Dieser Weltthcilzeugt von Zeit zu Zeit immer wieder große, ungenutzte und gesundeKräfte auS seinem Schooße, ergänzt und erfrischt sich dadurch,daß er sich als Ganzes unter den wechselnden Anstrengungen seinerTheile bewegt, und hat als Ganzes den Höhepunkt seiner politi-schen Entwickelung noch lange nicht erreicht. Noch ist bis heutedie Frucht der Bildung in Europa (seine politische und geistigeAufklärung, seine gewerbliche Thätigkeit und der Reichthum, denbeides schafft) eine Quelle der Macht und des nationalen Selbst-gefühls gewesen, nicht eines entnervenden Lurns und einer Käuf-lichkeit der Menschen. Und diese Güter und diese Macht könnten,
KcrviuuS, Einleitung. 11