Buch 
Einleitung in die Geschichte des neunzehnten Jahrhunderts / von G.G. Gervinus
Entstehung
Seite
163
JPEG-Download
 

163

trifft, so sprechen die Erfahrungen nicht für beider Stärke. Deröstliche Fürstenbnnd ist gegen diese Freiheitsbestrebungen ganz inder Vertheidigung; in der Geschichte sind aber die angreifendenKräfte allein von wirksamem Vermögen. Die Ligue der Reaktionhat 1814, siegreich und ganz Europa im Gefolge, den ganzenGewinn der Revolution in Frankreich nicht abzuthun gewagt.Nachher, mit den Bourbons im Bunde, die Kräfte Frankreichsauf ihrer Seite, wagte sie ein angriffsweises Vorgehen im drittenJahrzehnte, aber die Kühnheit dieses Angriffs ward durch Can-nings bloßen Fingerzeig auf die Volkskräfte, die England unterdem Banner seiner Freiheiten versammeln könne, erschüttert undihre Erfolge wurden von drei Tagen des Juli 1830 mühelos hin-weggespült. Damals ward gegen die Selbstbestimmung des fran-zösischen Volkes nicht ein Versuch mehr erhoben, und die absoluti-stischen Thronwerber auf der pyrenäischen Halbinsel hatten höch-stens noch Geld zu ihrer Unterstützung. Nur als man Frankreichwieder ins Interesse gezogen hatte, hätte man 1848 wieder einigenMuth zum Angriff auf die Schweiz gehabt, aber der Februarschreckte auch damals in die Linie der Vertheidigung zurück. DieRevolution trat jetzt in Frankreich wieder in ihre schroffste republi-kanische Gestalt. Die Erfahrungen zeigten, daß Frankreich zu denstets wiederkehrenden Bewegungen dem Weltthcile Beispiel undAnstoß gab; man wagte gleichwohl nicht, zwar am eigenen Heerdeangegriffen, den Angriff zu vergelten. Die dynastische Politik hatdie günstige Lage voraus, daß sie die politischen Verhältnisse über-schlagen, beobachten und benutzen kaun, was die erregten Massennicht verstehen und was ihre Anstrengungen so oft fruchtlos macht;gleichwohl hat noch jede der flutenden Volksbewegungen des Jahr-hunderts der Sache der Freiheit feste Gewinne gebracht, die keineEbbe der Reaktion wieder wegnehmen konnte. Die eonscrvatjvenMächte belauschen unter kluger Vorsicht die Abspannung des öffent-

11 *