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Einleitung in die Geschichte des neunzehnten Jahrhunderts / von G.G. Gervinus
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und Erhabenes geschehen, aber im Ganzen ist dieß wahrhaft einegroße und erhabene Wendung in der Gestalt des öffentlichen Le-bens, daß die Geschichte dieser Zeit nicht blos Biographien undFürstengeschichten zu erzählen hat, sondern Bölkergeschichte. DieBewegung in diesen großen Massen des ganzen Weltthcils istgetheilt und langsam, und der Fortschritt unterbrochen und ge-hemmt, eben weil es große und ungleichartige Massen sind; aberdie Vorbereitung reicht weit; und wenn die Erfolge noch der Artsind, daß sie den Raschlebigen und Ungeduldigen auf Augenblickeentmnthigen, so sind doch die Versprechungen dieser Zeit so großund verlässig, daß sie auch selbst den Muthloscsten mit dem Ge-fühle aufrichten: es sei dieß eine Zeit, in der es sich lohne gelebtzu haben. Ist es nicht eine Zeit tiefgehender, den inneren Men-schen bildender Cultur, so ist es dagegen eine Zeit weitreichender,die äußere Lage der Menschheit fördernder Civilisation. Was diepraktischen Wissenschaften und technischen Künste, aus Vieler zu-sammengeschossenen Kräften und Erfahrungen, in diesen ZeitenAußerordentliches erzeugen, wirkt wie einst die großen Ereignisseund Erfindungen im 15. und 16. Jahrhundert auf das Herein-ziehen immer größerer Massen in die Kreise der Bilvung und desWohlergehens. Die sichere Begründung der Naturkenntniß vonHimmel und Erde schließt Aberglauben und Unwissenheit, wieeinst die Reformation, in immer engere Räume; die Dampfma-schinen, Eisenbahnen und Telegraphen bringen, wie einst dieDruckerkunst und die erweiterte Schifffahrt, eine Beschleunigung,eine Verbreitung, eine Gemeinsamkeit aller einzelnen Fortschrittehervor, die zum Vortheile der allgemeinen Civilisation selbst dieZeiten und Räume besiegt. Nie ist der Zusammenhang aller Erd-theile vollständiger, die Mittel der Verbindung vielfältiger, derVerkehr rascher und allgemeiner, die Kenntnisse ausgedehnter, dieBildungsmittel zugänglicher, die Allfertigkeit der Menschen zu