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gleichzeitig wie Rußland im Osten anwuchs, er war gleichzeitigmit Rußland in die Geschichte bedeutungsvoller eingetreten, erhatte, als Napoleon Rußland auf seine Höhe trieb, von diesemdie Möglichkeit erkauft, auf größerem Gebiete eine stärkere Machtzu entfalten, und dem dynastisch-despotischen Einflüsse Rußlandseinen volksthümlichen entgegen zu stellen. Der Anblick dieses raschaufschießenden, freien, glücklichen Staates ohne König, Adel undgeistlichen Stand, war von einem wunderbaren Reize grade fürdie Völker. Und eben dieser Staat allein übt grade auf die Völkereine so wenig beachtete, wie gewaltig wirkende, unheiümbare undunmittelbare Einwirkung aus. Sein Glück zieht die der altenVerhältnisse Müden aus Europa massenweise an, und in dem um-fassendsten Verkehre dringen die Berichte und Ideen, nicht der ver-unglückten, sondern nur der gedeihenden Auswanderer mitten indie unteren Schichten der Gesellschaft ein. Zu dieser nie recht ge-würdigten Propaganda kommen die Wirkungen der Literaturhinzu, die in allen Theilen Europa's gleichmäßig demokratisirt ist;ein zahlreiches Proletariat der gebildeten Klassen, das vom litera-rischen Tagwerke lebt, reicht in gleichem Sinne den unterenStänden die Hand zu dem gleichen Werke. Und ferner bilden dievom Despotismus Vertriebenen, die heimatlosen Polen, Ungarn,Italiener eine.weitere geordnete Propaganda. Ihre Grundsätze,wie aristokratisch die Führer sein mögen, sind nothwendig demo-kratisch, weil sie der Massen bedürfen und einen Mittelstand zuHause nicht kennen; sie sind von aller Rücksicht losgesagt und mitallen Rechts-und Rücksichtslosen in einem weltbürgerlichen Bunde,wie einst die Jesuiten, aber für eine aufgehende, nicht für eine un-tergehende, für eine volksthümliche, nicht für eine despotischeSache. Gegen diese vereinigte Gewalt gleichmäßiger, unfaß-barer politischer Einwirkungen hat die monarchische Politik derErhaltung auf dem Gebiete geistiger Einflüsse nichts zu stellen,