280 IV. Historisch« Entwickelung rc.
Den größten Stoß gab dem noch übrig gebliebenen Theileder Teutschen Einheit Luthers Riechen-Verbesserung. Die Wir-kung derselben würde minder groß gewesen seyn, wenn die Länder,in denen sie angenommen wurde, vereinzelt gelegen hätten. D«aber der bei weitem größte Theil zusammen liegender Länder dernördlichen Hälfte von Teutschland, wenige geistliche, nicht beträcht-liche Staaten ausgenommen, dieselbe annahmen; so entfremdetesich dieses nördliche Teutschland noch wOt mehr als früher demBande, welches Teutschland noch zusammenhielt. Schon seit derfrühesten Zelt war dieser von Sachsen, Thüringern und Wendenbewohnte Theil des Reiches der der Gesammtheit und Einungstets am meisten widerstrebende. Ein ihnen eigenthümliches Recht,eine verschiedene Art des Klima und des Bodens, verschiedeneBeschäftigungen, eine ausgedehnte Meeresküste, Vereinigung grö-ßerer Landstriche zu einzelnen Fürstenthümern, eine geringere Zahlvon geistlichen Fürsten und von Reichsstädten, dieses Alles brachtein Nordteutschland manche Verhältnisse hervor, verschieden vonden im südlichen herrschenden. Dazu kam auch, daß in der spä-teren Zeit des Mittelaltecs die Kaiser und Könige ihre Sitze fastbloß im südlichen Teutschlande hatten; was den NordteutschenFürsten in jenen Zelten der Willkühr und der Fehden die besteGelegenheit gab, größere Freiheiten zu erringen und zu erhalten.Die Kriege mit den Thüringern, der Streit über die Investiturder Bischöfe, der über den Zehnten, die Geschichte Heinrichs dcSLöwen, dann die Religionskriege und endlich der dreißigjährige lie-fern hierzu die Beweise.
Während des sechszehnten Jahrhunderts und dann im Laufe desdreißigjährigen Krieges gierigen keine anderen Hauptveränderungensowohl im äußeren Umfang« als in den inneren Länder-Verhält-nissen Teutschlands vor, als solche, die durch Erbfolgen einzelnerHäuser in die Besitzungen ausgestocbener, anverwandter Fürsten-häuser oder Linien veranlaßt wurden. Unter diesen ist die Erb-folge in das erloschene Herzogliche Haus Iülich die merkwürdigste»Die Besitzungen dieses Hauses kamen an die Häuser Pfalz undBrandenburg. UebrigenS waren die Vererbungen und TheilungenTeutscher Fürstenthümer damals sehr gewöhnliche und häufig vor-