II. Das geprägte oder Metallgeld.
§. 1. Einführung der Münzen.
Es ist bereits im vorige» Abschnitte angedeutet, wie man nach und nachdarauf hingeleitct wurde, Münzen nach einem geregelten Systeme darzustel-len, und daß dazu der Umstand viel mit beitrug, daß bei dem Gebrauch derungeprägten Metalle ihr Werth und Gehalt nicht genau bestimmt werdenkonnte, weßhalb man ihren Werth wahrscheinlich nur nach Gewicht und Farbewürdigte. Nachdem aber das Auskunftsmittel erfunden war, die Feinheitder Metalle genau und bestimmt anzugeben, bedurfte es des vorher üblich ge-wesenen Abwägens nicht mehr, indem die Metalle nur zu einer gewissen Dickegetrieben und mit einem Formeisen ausgeschlagen zu werden brauchten, um(mit geringen Abweichungen unter sich) Stücke von gleichem Gewicht und Ge-halt zu bekommen. Jedes Stück wurde hierauf mit dem Münzzeichen oderdem Gepräge versehen, welches den Feingehalt und das Gewicht desselben an-gab. Die Einführung dieses Verfahrens ist zwar schon sehr alt, ob es aberim Anfange gleich vollkommen gewesen sei, ist zu bezweifeln, da alles Wissenund jede Kunst erst nach und nach ausgebildet wurde. Im ersten Buche He-rodots werden die Lydier als das erste Volk genannt, welches Münzen prägte.Andere alte Schriftsteller führen an, die Kunst Münzen zu prägen, sei wäh-rend der Regierung des Saturn und Janus über Italien (also lange vor je-dem uns bekannten historischen Zeiträume) erfunden. Ob die Phönizier wirk-liche Münzen hatten, oder ob sie sich nur gestempelter Mctallstücke bedienten,ist ungewiß. Von den Griechen wissen wir es dagegen mit Bestimmtheit, daßsie Münzen hatten, die von Königen, Republiken und Städten geprägt wur-den. Die ersten römischen Münzen erschienen um das Jahr 4S, nach An-dern um das Jahr l SV nach Roms Erbauung. Die jetzige Benennung dergeprägten Metallstücke „M ü.n z e" kommt von dem lateinischen inonetn, wel-ches so viel als ein Merkzeichen (wie viel ein solches Stück Werth habe) be-deutet. Auch hießen die Münzen bei den Römern iiuinnii, welche Benen-nung sie von den Griechen entlehnt hatten, bei denen nonion oder niiiuo»(vo/tog, dorisch vouzrog) eine Sache bedeutete, die durch gesetzliche Bestim-mung eingeführt war. Nach den auf der Kehrseite befindlichen Thiergestaltenoder Schisfsschnäbeln hießen sie auch periinin und llununi rntiti. Die rö-mischen Colonien hatten ihre eigenen Münzen. In Deutschland war dasMünzrecht anfangs bloß dem Kaiser zuständig. Carl der Große verbot dasPrägen der Münzen sogar außerhalb des kaiserlichen Palastes. Um das Jahr12ÜÜ übten jedoch schon mehrere deutsche Fürsten das Münzrecht aus. 1Z5Swurde den Kurfürsten und lS48 den sämmtlichen Reichsständen daS Recht be-stätigt , Münzen in ihren Ländern schlagen zu lassen.
Z. 2. Vom Metall der Münzen.
In den ältern Zeiten wurden statt der edlen Metalle auch andere zu denMünzen verwendet. Die Lacedämonier oder Spartaner bedienten sich dazudes Eisens, die Syrakusaner des Zinns und die Römer des Kupfers. Alleindies« Metalle verloren zu viel durch den Gebrauch der Münzen, und außer-dem verminderte sich ihr Werth zu sehr durch das Aufblühen der Künste undGewerbe. Das daraus geprägte Geld wurde also auch seiner Schwere wegenzu unbequem, und man konnt« also auch aus diesem Grunde jene Metalle nicht