Bon den Anstalten und Verfügungen rc. 183
sein. Indeß dürfen auch die nach Handelsstädten führenden Nebenwege undKreuzstraßen nicht vernachlässigt werden. In Frankreich und England trifftman zum Theil die Haupthandelsstraßen in besserem Zustande als in Deutsch-land, was aber die Nebenwege und Kreuzstraßen betrifft, sind diese nichtbesser als in andern Ländern.
Frankreich, das schon längst von Straßburg, so wie über Metz nach Parisund von da in die Seehäfen, besonders Bordeaux und Marseille vorzüglich«Handelsstraßen besaß, hat in dieser Hinsicht unter Napoleon noch mehr ge-wonnen Selbst in dessen damals neu erworbenen Provinzen haben sich großeund kühne Unternehmungen von Handels- und Militairstraßen, wie z. B. vonMainz nach Coblenz, auf dem Rücken einer Gebirgskette, als merkwürdigeDenkmale erhalten. Zu diesen gehört aber auch noch die unter NapoleonsHerrschaft l 80 l begonnene und I8VK vollendete, 14 Stunden lange, durch-gehcnds 2L Fuß breite Kunststraße über den Simplon, welche die Schweizmit Italien verbindet, durch mehrere Galerien Idurch Felsen gearbeitete be-deckte Strecken! führt, deren längste. SSZ Fuß messend, durch einen Granit-felsen geht, nirgends stark ansteigend und also für die schwersten Last-wagen fahrbar ist. Uebrigens wird in Frankreich fast Alles nur auf dieHauxthandelsstraßen verwendet, und die Nebenwege und Kreuzstraßen werdenfast gänzlich vernachlässigt, weßhalb die innere Verbindung sehr erschwert ist.
England hat im ganzen Reiche sehr gut gebaute und sorglich unterhalteneHandelsstraßen, selbst in dem schottischen Hochlande sind an Kllv Meilen guteLandstraßen erbaut und die Industrie ist dadurch vermehrt. Indeß sollen nachden Behauptungen Einiger, die Nebenwege und Kreuzstraßen sogar häufigin schlechterem Zustande, als in andern Ländern sein.
Rußland besitzt gegenwärtig ebenfalls einige gute Handelsstraßen, unterdenen die von PeterSburg nach Moskau führende sich mit jeder Haupthan-delsstraße irgend eines Handelsstaates in gleichen Rang stellen kann. Auchin Polen sind Kunststraßen angelegt und führen gegenwärtig dergleichen Stra-ßen von der preußischen Grenze, über Posen, nach Warschau, so wie von hiernach dem Nicmen. Im nördlichen Deutschland ist besonders Preußen für dieVerbesserung der Landhandelsstraßen sehr thätig, und diejenigen, welche zuden Haupthandelsstädten: Leipzig, Hamburg, Lübeck und Bremen führen,waren von lange her schon in gutem Zustande. In neuerer Zeit sind auchin Mecklenburg Kunststraßen angelegt, welche Rostock und Wismar mit an-deren Handelsstädten in bessere Verbindung gebracht haben. In Süddeutsch-land aber sind nicht allein gute Haupthandelsstraßen, unter denen die aus Fran-ken über Nürnberg und Regensburg, so wie die über Augsburg und Münchenan die österreichische Grenze, und die über Memmingen und Kaufbeuern nachder Schweiz führende, nichts zu wünschen übrig lassen, sondern auch selbsttreffliche Nebenstraßen vorhanden. In Baiern ist unter der Regierung desKönigs Maximilian Diel dafür gethan. In den kaiserlich österreichischenStaaten ziehen sich nicht allein von Triest und Jnsbruck nach allen Haupthan-delSplätzen treffliche Handelsstraßen, sondern auch von Wien aus nach Mäh-ren, Schlesien und Böhmen. Die Kunststraßen werden dort Kaiserstraßen ge-nannt. Am meisten aber entsprechen die schweizerischen Haupthandelsstraßenallen Anforderungen, die man an Landhandelsstraßen machen kann, indem aufihnen völlige Handelsfreiheit herrscht, und in der Regel kein Aufenthalt, keine