Band 
Erster Band.
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561
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Comtoir-Wissenschaft. 561

Zweiter Abschnitt.

Der Briefwechsel (die Correspondenz).

Außer der Buch - und Rechnungsführung nimmt auch die Correspondenzdes Kaufmannes, welche ebenfalls einen wichtigen Zweig seiner erforderlichenKenntnisse ausmacht, einen großen Kheil seiner Zeit in Anspruch. Da sie ingroßen Häusern oft in mehreren Sprachen geführt wird, so ist es nothwen-dig, daß Diejenigen, welche sich dem Handelsgeschäft widmen wollen, außerder richtigen und vollkommenen Kenntniß ihrer Muttersprache, sich auch solcheFertigkeit in fremden Sprachen zu erwerben suchen,, daß sie im Stande sind,in diesen eben so gut wie in jener correspondiren zu können, wenn sie an-ders einst in großen Comxtoiren angestellt zu werden denken. Große Han-delshäuser haben zwar wohl zuweilen für jede fremde Sprache einen Korre-spondenten, doch muß der Chef oder der Disponent einer solchen Handlungauf jeden Fall dieser Sprachen so weit mächtig sein, daß er genau weiß, wasder Handelsfreund verlangt, und was der Comptoirift auf das Schreiben er-wiedert.

Wer es weiß, wie schwer das Kopfrechnen einem Menschen wird, dersich nicht von Jugend auf darin geübt hat, der wird es begreiflich finden, daßes noch weit schwieriger sein muß, in reiferen Jahren erst fremde Sprache»sich anzueignen. Der junge Deutsche, der sich dem Handelsstande widmenwill, befleißige sich daher schon so früh als möglich, neben der deutschenSprache auch die französische so gründlich als möglich zu erlernen, weil esaußer den Franzosen auch noch andere Nationen giebt, bei denen die Corre-spondenz großer Handelshäuser in dieser Sprache geführt wird. Dann abererleichtert auch die vollkommene Kenntniß der französischen Sprache das Er-lernen anderer mit ihr verwandten Sprachen, wie z. B. der italienischen, diein den Häfen und Handelsstädten des mittelländischen Meeres und der Le-vante von den Gebildeten zur Correspondenzführung benutzt wird, und dahereben so nothwendig als jene gekannt sein muß. Wer die französische Spracheinnehat, dem wird es auch nicht so schwer fallen, die spanische zu erlernen,mit welcher wieder die portugiesische nahe verwandt ist. Fast unerläßlichnothwendig ist dem deutschen Kaufmanne des Nordens die Kenntniß des Eng-lischen; entbehrlich dagegen ist ihm die der Holländischen, schwedischen, däni-schen und russischen Sprache, indem er nach Holland und Rußland französischund deutsch, so wie in letzter Sprache nach Schweden und Dänemark corre-spondiren kann.

Die Kenntniß der gedachten Sprachen genügt jedoch noch nickt, sondernman muß sich auch einer guten Handschrift, einer leichten und gefälligenSchreibart derselben befleißigen. Wer gut correspondiren will, der mußsich so ausdrücken, daß Leder sogleich versteht, was er meint; er mußalle Wiederholungen weglassen, alle Verzierungen vermeiden; klar undbestimmt den Lon zu treffen wissen, der dem, an welchen man schreibt,angemessen ist. Will man z. B. im Commissionsgeschäft an Jemand schrei-ben, daß er uns mit seinen Aufträgen beehren soll, so ist es nothwen-