562
Comroir - Wissenschaft.
dig, ihm auf eine passende Weise die Versicherung zu geben, daß seinInteresse mit allem Fleiße wahrgenommen werden solle; man mußihn zu überzeugen wissen, daß dem wirklich so sei, und muß dennoch dabeivermeiden, ihm zu sagen, ein Anderer würde seine Auftrage nicht so gut be-sorgen. Giebt man einem Andern Commission, oder man hat es mit Unter-agenten, Spediteuren u. s. w. zu thun, so muß die Corrcspondenz so ge-führt werden, daß man durch die gewählten Ausdrücke sich Achtungerwerbe, denn diese ist das halbe Gelingen jeder Speculation. Sei der Spe-diteur auch ein reicherer Mann, als der, welcher ihm Geschäfte gegeben hat,so wird er es dennoch nicht übel nehmen, wenn man Pünktlichkeit von ihmverlangt, und ihn wegen Vernachlässigung zur Verantwortung zieht; er wirdes aber nie verzeihen, wenn die Rüge persönliche Beleidigungen enthält, undwird da, wo gerade am meisten darauf ankommt, die Aufträge des Beleidigersvernachlässigen. Sind Differenzen auszugleichen, bei denen man glaubt, Un-recht erlitten zu haben, und es liegt daran, sich die Freundschaft Desjenigenzu erhalten, mit welchem zu rechten man sich veranlaßt findet; so sei derStyl edel und kräftig, ohne jedoch unhöflich oder wohl gar bitter zu werben.Gegen Geschäftsfreunde muß der Kaufmann in seiner Correspondenz noch vor-sichtiger und behutsamer zu Werke gehen, als er es wohl im gewöhnlichenLeben thun würde, weil der Handelsfreund nicht sein eigentlicher, viel weni-ger aber sein Busenfreund ist; er will durch die Correspondenz mit demselbennur gewinnen, und darf daher seinen moralischen Charakter nicht berücksichti-gen. Stets muß der Kaufmann in seinen Briefen sich einigermaßen auch nachden Leuten richten, an welche er schreibt; denn es ist den Menschen nun ein-mal so eigen, daß sie Andere nach sich beurtheilen und sie in dem Verhältnissemehr oder minder achten, als sie Kenntniß von dem besitzen, womit man sichselbst beschäftigt. Ist man daher mit dem Geschäft Desjenigen, an den derBrief gerichtet ist, nicht ganz vertraut, so lasse man sich nie in ein Detaildarüber ein. Aber auch dann, wenn man sich über irgend etwas unterrichtenwill, wovon man noch keine Kenntniß besitzt, muß man sich sorgfältig hüten,seine Unwissenheit deutlich zu erkennen zu geben, weil man sich sonst leichtbloß stellen und Gelegenheit »erschaffen würde, daß Jener seine Ueberlegenheitzu unserm Nachtheile benutzte.
Alle Weitschweifigkeiten muß man sorgfältig vermeiden, und sich nur andasjenige halten, was zur Sache gehört; indem der Kaufmann kein edleresGut kennt als die Zeit, die er nicht mit Lesen unnöthiger Redensarten verbrin-gen mag. wo es dann leicht geschehenkann, daß solche anscheinende NebendingeÜbergängen und Hauptsachen darin nicht beachtet werden. Jeder Brief muß zu-vor genau überlegt und alsdann mit aller Sorgfalt geschrieben sein; nie mußetwas darinradirt oder durchstrichen werben. Nach denBriefen schließt der Em-pfänger sogleich auf die ganze Handlungsweise des Ausstellers, und dieses mitvollem Rechte, da die Correspondenz des Kaufmannes unter seine vorzüglichstenBerufsgeschäfte gehört. Vernachlässigt er also diese, so läßt sich auch mit Gewiß-heit annehmen, er werde in allen seinen Handlungen nicht besonders pünktlichsein. Ist daher ein Brief geschrieben, so lese man ihn mit Aufmerksamkeit nocheinmal durch, und sollte sich ein Schreibfehler darin befinden, so muß man lie-ber den ganzen Brief abermals schreiben, als den Fehler durch Radiren, Aus-streichen und Umschreiben, Einschieben u. s. w. verbessern. Empfangene Briefe,