122 Von den Sraatspapieren.
Abwehrung der Folgen dieser höchst übertriebenen Speculativn zu bera-then. »
In Frankreich wurden ungefähr um dieselbe Zeit die Unternehmungendes Schottlanders Law (Imv) berüchtigt, der im Jahre 1717 die Missi-ssippi-Compagnie, mit 200,000 Actien zu 500 Livr. begründete, mit wel-cher 1719 die ostindische und chinesischeCompagnie, unter dem Namen:Gesellsch aft b eider Jnd ien, vereinigt wurde. Law verstand es, die *Nachfrage nach den Actien zu einer wahren Manie zu bringen ; denn nach A ri-tz er so n sollen, zu der Zeit, eine halbe Million Menschen mebr in Paris ge-wesen sein. als sonst. Lebensrnittel und Wohnungen hatten im höchsten Preisegestanden, über tausend neue Kutschen hatte man bemerkt und Law's Wohn-zimmer hatten Fremde aus allen Ländern den ganzen Tag belagert und.es alseine Gunst angesehen, an dem Misflsippi-Project Theil nehmen zu dürfen,dessen Actien zehnmal höher bezahlt wurden, als ihr Nennwerth lautete, bisendlich im Jahre 1720 die gehofften und getraumten Reichthümer wie Nebelverschwanden.
In Holland wurden die Actien der Oftindischen Compagnie wieder sehrgdsucht, nachdem die Holländer den Portugiesen die Molukken, Walacca, Cey-lon, Celebss, und seit 1063 die wichtigsten Punkte auf der malabarischenKäste entrissen hatten. Da durch diese Eroberungen der Handel mit Gewür-zen bald ganz in ihre Hände kam. so stiegen die Actien der Compagnie bisauf 30 H, sanken aber auch wieder, als die immer mächtiger werdende Eng-lisch - Oftindi sch e Compagnie die Macht und den Glanz der ersteren ..verdunkelte. Auch beiderHollänbisch-WestindischenCompagnie,die einen Capitalstock von 6 Millionen Gulden in 1200 Actien besaß, und nachder Westküste Afrika's und ganz Amerika handelte, gaben die Äctien, im An-fange des Unternehmens oft Lll K Dividende und wurden sehr gesucht; alleinauch diese Gesellschaft hatte, schon früher als die Ostindische, dasselbe Schicksal.
Das Jahr 1720 war besonders sehr reich an Aktiengesellschaften, indemsich, in England, in kurzer Zeit 1K8 Actienvereine bildeten, die meistens nurauf luftige Projekte gegründet waren. So entstand'die Millionenbank, dieDegenklingen-Gesellschaft, die Strickergesellschaft, ein Verein zum Handel mitMenschenhaaren, ein anderer zur Einführung der Eselshengste aus Spanien,ein dritter zum Mästen der Schweine u. s. w., eine Gesellschaft zu einem sichstets bewegenden Rade, eine Assecuranz gegen Verlust durch Bediente, gegenDiebstahl uyd Raub, rc. rc. Alle diese Actienvereine verschwanden aber, mitwenig Ausnahmen, auch wieder in kurzer Zeit und brachten den Theilnehmernbedeutende Verluste zuwege.
Daß auch in Deutschland, an einigen Orten, der Actienhandel, zu jener »Zeit, so ausgeartet gewesen sein muß, daß bedeutende Nachtheile davon befürch-tet werden konnten, laßt sich unter Andern daraus abnehmen, daß der Verkehrmit Actien, durch ein Mandat des Hamburger Raths, vom 19. Juli 1720»förmlich verboten wurde.
§. 3. Weitere Ausdehnung des Actienh andels durch dieBankactien.
Neben den Actien der großen Handelscompagnien wurden die Bank-actien auch bald ein Gegenstand der Nachfrage, besonders deßhalb, weil Iman, wenn eine Bank sich einigermaßen Credit zu erhalten wußte, mit den