VI
5 .
Tausend zarte reine LiebesbandeFlochten sich um euer Daseyn hin;
Fest, wie Felsen eurer Heimathslande,Daurend, wie des Edlen hoher Sinn:Aus des Lebens Stürmen kehrt' es immerWarm zu dir, das treu« Herz, zurück:Also sucht des sichern Pharus SchimmerDes Verstimmten matter Hoffnungsblick.
4 .
Und nun ist der Schleier abgesunken,
Hoch empor der kühne Geist geschwebt !
Ach, entsteigt der Gruft kein Lebensfunken,Der mit Kraft des Freundes Herz durchbebt?Schweigst du ewig, süßberedte Zunge,
Holder Worte reiche Spenderin?
O wem floß im hohen SeelenschwungeSuada so von Honiglippen hin?
8 -
Trösten wollt' ich — und nur mit dir weinenKann der Freundin tiefbewegtes Herz,Wußtest du mir ihn nicht zu vereinen?
Ist nicht mein dein ganzer tiefer Schmerz?Seltne Freuden, oft des Schmerzens FülleHab' ich gern und treu mit dir getheilt,
Und in hoher heil'ger SeelenstilleTiefe Wunden deiner Brust geheilt-