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Briefe an Bonstetten.
tae deest rei, sobald unser Blick sich nicht überden vor uns liegenden Augenblick erstreckt.
Als ich zu Genthvd deinen vorletzten Briefgelesen, sagte Bonnet: die Natur, da sie Bvn-stetten gemacht, hat nicht alsogleich die Form zer-brochen, sondern sie hat nach einiger Zeit noch denJohannes Müller in dieselbe gegossen. Und erhat Recht, ich sage es dir, aus daß du fühlest,wie ähnlich du mir in obgedachten Fehlern bist;was du mir zugeschickt hast, ist recht gut, es isteine lichtversprechcude Dämmerung, schließe dichnur oft in den Garten, der Weg des Glückes wirdimmer besser gebahnt werdest, je mehr du solcheAnalysen machst, uud mir sende sie, auf daß ichsie mit jenen obgedachten Männern vergleiche.Man kann sich nicht leicht ein zu hohes Ziel vor-nehmen, und nie muß man sich schmeicheln, dem-selben bereits nahezu scvn. Winckelmann sondertesich täglich eine halbe Stunde aus, um im Zim-mer auf und ab zu spazieren, und sein Glück zubedenken (nämlich das, in Rom zu leben).
Du bist in deinem Land wegen deines uraltenGeschlechts geehrt; Vermögen genug zu anständi-gem Auskommen wird" wahrscheinlich dir nie feh-len, und mehr ist ein idealisches Glück: du hasteine vortreffliche Frau, die einig dich liebt, undin deinem Sohn hast 6u- das Vergnügen, dein ge-liebtes Figürchen wieder aufleben zu sehen, du hasteinen Freund, welcher täglich nur ein paar Linienauf dem guten Wege fortrückt;
nori tibi parvum
ingcnium non incultum est ncc turpiter hirlum,
sondern du hast Geist und Geschmack, Kräfte ge-nug, um etwas zu thun, wenn du ernstlich willst,und genug Wissenschaft, um keinem Theil des Gu-