Briete an Bonstetten.
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ten, Schönen und Wahren fremd zu seyn, dubist voll allerlei Liebenswürdigkeiten, du siehst vor,daß du durch die Landvogtei und Erbschaften überdie Bedürfnisse erhoben werden wirst, und vieleschöne Tage, die du vielleicht nicht vorstehst, wer-den kommen, und klarer Gewinn seyn; über die-ses alles bist du — gesund am -Körper, und stärktsich nach und nach dein Gemüth. Ich — bin sogesund als du, und nach und nach werden dieWunden heil, welche mir die Thorheiten geschla-gen, in einigen Jahren, wenn ich bleibe, wo ichbin, werde ich zu ruhigem Leben genug Vermögenhaben; und indessen ist wahrscheinlich, daß ich ausmeinen Collegien, Hallcrs Briefen und meinerHistorie meinen hinreichenden Pfennig ziehenwerde; komme ich aber von hier weg, so ruft michdie liebreiche Vorsehung noch früher.zur Unabhän-gigkeit in gelehrter Muße. Täglich sehe ich dasVergnügen meiner Zuhörer, ich weiß, daß meineBücher allezeit wohl aufgenommen worden sind;ich werde in Gesellschaft gern gesehen, ich habeeinen Bon, viele Andere lieben mich auch, ich sehevor, daß die Geschichte meines Vaterlandes dem-selben und mir nützlich und rühmlich seyn wird,ich sehe zu größer» Historien die Materie in ei-nem großen Haufen meiner Sibyllenblätter auf-steigen, ich fühle, daß über alle Grundsätze desöffentlichen und Privatlebens mein Sinn festerwird, ich erkenne in der ganzen Führung meinerSchicksale eine unendlich gütige Hand, ich bin vollder Ueberzeugung, daß dieses alles von ewig fort-gehender Glückseligkeit nur ein geringer An-sang ist, mein Auge blickt freudenvoll in dasGränzenlose hinaus, dieses alles im Anfang mei-nes zzsten . . .
Sage nun , sind wirklich wir Beide, von de-