Briefe an Bonstetten.
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mir schicken sollst! Ueber deinen Brief antworteich dir heute auch nicht, ich habe mich begnügt,auf deine ganze Seele zu antworten. Adieu Bon.
2Zz.
Genf, den 22 Jänner 84.
Ich will es nicht für gewiß ausgeben, aberzwei Briefe sagen, der Ambassadeur Vergennessoll wieder in die Schweiz, der Hr. von Polignacaber nach Wien gehen. Es ist nicht weniger un-begreiflich, wie ein Mann, der nichts, gar nichtsweiß, kann die allerwichtigste Gesandtschaft führen,als wie es möglich ist, Noailles, den aufgeklärte-sten Staatsmann in solchen Geschäften, der inFrankreich ist, und welcher in Wien kaum ange-kommen, schon wieder zurück zu berufen. Indes-sen, alles geht so abenteuerlich, daß nichts un-möglich ist; Hr. von Vergennes, der auch nichtgern möchte seine Stelle verlieren, ist nun ganzder Partei der Königin; diese thut alles.
Vergiß nicht, mir zu schreiben, ob, was hierausgestreut worden, einigen Grund hat, nämlich,daß den Graubündtern die Anfrage geschehen, obsie sich entschließen könnten, einem deutschen Gra-fen (man glaubt aber, er heiße Joseph) das Val-telin zu verkaufen. Ich erinnere mich sehr wohl,mit welch eifriger Theilnehmung der König vonPreußen mir von diesem Ländchen gesprochen, undwie er sich verwunderte, daß die Schweizer denPaß durch Engadin so zugegeben.
In der gegenwärtigen Lage der Sache kommtunter den Menschen auf diesen König wahrhaftigdas Meiste an. An der Spitze eines großen Bun-des mit Bourbon und allen kleinen Staaten könnteer dem Kaiser das Gleichgewicht halten; wie aber