Briefs an Don freiten.
wenn er für besser findet, mit Oesterreich zu thei-len? Und wie, wenn, welches gar zu wahrschein-lich ist, auch das Haus Bourbon einem schwerenKrieg den weit gefährlichern Frieden vorzieht,und Oesterreich allgewaltig werden laßt? Wir sindin einem Augenblick wie im Jahr 1547 und 1629,als die Kaiser auch schienen Herren des ganzenReichs und hiedurch aller Völker zu werden: bis-her haben unvorhergesehene Begebenheiten Europagerettet; wer vermochte einen Gustav, einen Frie-derich zu vermuthen? Wie aber nun? Ich gestehedie, ich freue mich in diesem Augenblick zu leben,denn er ist groß, und schwanger an großen Folgen,wenn je einer.
Nun von uns. In der That ist Hr. Bonnetmit seinem unbeschreiblichen Zögern an den äußer-sten Mitteln Schuld, welche ich ergreifen muß;denn wenn er, wie er sehr wohl könnte, denVertrag mit einem Buchhändler nun machte, *) sokönnte der Druck nächstens angefangen werden, denndas Werk ist ja schon gemacht, einmal den Druck ange-fangen, so würde das Zaudern aufhören, weil dieBuchdrucker würden wollen Arbeit haben.. Zugleichmüßte der Verleger am Ende eines jeden Theils die be-stimmte Summe versprechen, mir zu geben, so hätteich keiner andern Arbeit nöthig ; so lange aber alles aufdie griechischen Kalender verschoben wird, kann ich aufnichts gewisser zählen, als daß ich jährlich 60 Tageganz und gar verliere durch meine Reisen aufGent-hod; eben diese würde ich gern verdoppeln, wenn end-lich einmal nach neunmonatlichem Warten dieSache mit Ernst unternommen würde.
*) Betreffend die Herauögadc der Briefe Hallers anBonnet. M.