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Briese an Bonstetten.
und nicht vor dem 42sten im Krieg hervorgeleuch-tet. Also, daß die reifsten Früchte des menschlichenGeistes nur selten die frühesten waren. Diesesversöhne mir dich, und ermuntere dich selbst. Mitwelchem Reichthum der Einbildungskraft, mitwelcher Philosophie, mit welchem geläuterten Ge-schmack und mit welchem scelenvollen Styl gehst,noch vor deinem gnsten Jahre, du endlich an einenPlan von Arbeit! Hüte dich vor 2 Fehlern: Ein-mal, erstürme nicht, was ordentlich erobert wer-den muß; deine Arbeit wird nie fruchtlos bleiben,aber sie erschöpfe dich nicht, satina lente. Zumzweiten, sey versichert, unser Bestes muß ausuns, und nicht von Andern in uns kommen; reisenoch nicht, studire noch erst; wenn Winckelmann,wenn Mendelsvhn, wenn Spalding, wenn Jerusa-lem, wenn Moser, wenn Meiners, wenn dieBriefe über die neueste Literatur, wenn die Dichterhich alles gelehrt haben, was in dem Ausdruckaller dieser Männer vortrefflich ist, wenn du dieStücke der beredtesten Ausländer übersetzt, wenndu dich in der deutschen Composition versucht hast,und jene Bücher und ich nichts mehr haben, dichzu lehren, so reise nach Deutschland; ein Jahr,ein halbes Jahr wird alsdann dir nützlicher seyn,als nur eine Olympiade. Ich glaube, ehe du dieseArbeiten vollendet haben wirst, werden meine Sa-chen eine bessere Gestalt bekommen; vielleicht ge-hen wir alsdann mit einander nach T., oder dnkömmst nochmals zu mir. Fange an; rolle, lege;rolle, lege, und schreibe deine Sprachbevbachtun-gen. Bücher habe ich dir im Catalogus angezeich-net, aber die allerbesten Prosaisten sind obgenanvte;wenn du ihren Inhalt nicht liebst, so studire im-mer ihre Sprache. Die typographische Gesellschafthat wenig, die besten Bücher fehlen ihr; ich wie-