Briefe an Bonstetten. 89
du die Originalstiche nicht hast, so dient dir derNürnberger Nachdruck eben so gut.)
Aum Lesebuch — Plutarch; kein anderer! wowäre der, der ihn so zum Bürger Athens undRoms, so vertraut mit den Helden machte, anSinn und Charakter herrlicher bildete? Er magimmer Vieles noch nicht verstehen; desto besser! ertrachte, es zu fassen! Sein weiches Gehirn imbi-bire diese Eindrücke des hohen, großen Alterthums,und Plutarch sey sein Buch, so lange er lebt! Mei-netwegen, wenn ich einen Sohn hatte, der nichtwüßte, ob Karl der Große vor oder nach Cicerogelebt: hätte er nur diesen Geist, welcher in die-sen Lebensbeschreibungen lebt! Er soll sie aber nichtnach einander alle 49 lesen, und dann wieder einBuch, und hierauf das dritte. Er soll jeden Bandetlichemal lesen, die Karte dabei, die Epoche einesjeden Helden auswendig gelernt. Wenn er hiezunichts hat, so schreibe ich sie ihm alle.
Die Geschichte der Schweiz — lasse er liegen.Hiezu ist noch keine Zeit. Wie verstünde er sie!Wer erläuterte ihm, was ein Kaiser, ein König,was das Feudalrecht, was alle die Nationen waren,die unser Land im Besitz hatten. Er muß vorherwenigstens eine Tinctur von der Universalhistoriehaben, und Erlach'n und Hallwpl'n wird nicht scha-den, wenn er den Themistokles und EpaminondaSvorher fühlen gelernt hat.
Sobald er einen Begriff davon hat, wie dieMenschen von der Familiengesellschaft in größereübergegangen und von Einem, oder durch den Rathder Vornehmsten, oder nach dem persönlichen aus-gedrückten Willen aller, sich regieren lassen; wieEroberer entstanden und alles verwirrt; wie derallgemeinen Zerrüttung endlich durch die Vereini-gung der ganzen gesitteten Welt unter einem Cäsar