Briefe an Bonstetten. 19^
erster Custos der kaiftrl. Bibliothek. Genug, undallzuviel von mir selbst!
Denkudolfs wird beharrlich das Beste verspro-chen; und von mächtiger Seite.
Allerdings soll Friedchen fortfahren; dasRom ist herrlich; nächstens hieven.
Sonnleithnern sehe ich nun oft; er arbeitet inder Bibliothek auf meinem Zimmer. Täglich lesenda so 4v — 50 ; und wer an mich sich wendet, gehtgewiß nicht unzufrieden fort.
Edle, unvergleichliche Freunde! mein Herz istmit Euch; der gute Genius, der durch Freund-schaft und Liebe über alles tröstet, verlasse uns nie!
Wien, 10 Novbr. >8vo.
59.
'Ehe ich von Euren gelehrten Werken spreche,ftp meine innige Empfindung der hohen Feier deS3 Junius in Eure Göttcrherzen, gelkebteste Freunde,ergossen. Nie hat ein Gesang mich tiefer durch-drungen; Wahrheit ist seine Seele; aber, wie ge-sagt! Hoch erhebt er über die Welt voll Ruinund Trug und Raub und immer weiter verbreitetenGraus der Verwüstung, in Regionen der Zukunft,oder einer bessern Entwicklung in friedsameren Woh-nungen. Dank dem Dichter dieser ja nicht längerdem labsaldürftigen Publicum der Guten und Edlenvorzuenthaltenden Poesie*)! Eilends erscheine sie,>m Magazin, in des Freundes, in der FreundinSchrsften; gleichviel wo, wenn ich sie nur der Nach-
*) Urtheil über eine wenig bekannt gewordene Bro-schüre Carl von Bvnstettens: Die bessere Schweizbetitelt. A. d. H.
3. ». Müller? sünimtl. Werke. XXXVI. 15