Buch 
Johannes von Müllers Briefe an Carl Victor von Bonstetten III : geschrieben vom Jahr 1773 bis 1809 ; Briefe an Herrn Charles Bonnet : Briefe an Freunde 1 / herausgegeben von Friederika Brun
Seite
237
JPEG-Download
 

©riefe an Bonstetten.

237

lesen können; durch Hrn. Hupghens *) (mitwelcher Wärme.der Empfindung sprach der Edlevon Ihnen) lernte ich die Episoden kennen undsuche sie nun. Indeß ich beides lese, erfahre ichwohl, wo Sie find, und schreibe Ihnen dann so-gleich. Wir leben in Zeiten, wo man die einmalgereichte Freundschaftshand nicht fahren lassen, sichnicht von einander entfremden sollte. Wie leid istmir, von Bonstetten so getrennt zu seyn! Ich er-röthe für die Freundschaft selbst, wenn ich Nach-fragenden nichts von ihm zu sagen weiß. Sie, diebeste Zeugin, wie ich ihn liebte, fühlen am bestenmeinen Schmerz, daß man mir ihn gestohlen hat.Ich weiß nicht einmal, wo er ist, sonst würde ich,ohne des leidigen Zufalls zu gedenken, ihm schrei-ben, wie es der schönen Zeit unserer Freundschaftwürdig war. Möge die göttliche Poesie Ihres engel-reinen Gemüthes wieder zusammenbringen, was d:eleichtsinnige Bosheit einer Svrhistenseele mit ihremunseligen, ««heiligen Witz leider zerknickte **)! Ich

*) Der lange als Gesandter der holländischen Repu?blik in Koxenhagen lebte. A. d. H.

**) Weder Bonstetten noch ich haben je auch nurahnen tonnen, wen Johannes Müller hier germeint hat *). Eine tödtliche Krankheit meinerTochter Adelaide trieb uns von Gens durch's süd-liche Frankreich nach Pisa, und endlich nach Rom,wo der vortreffliche deutsche Arzt Kohlrausch ste heilte.Diese Briefe erhielt ich im Jul. ISO, zu Albano,

*) Ein abschriftlich noch vorhandener Brief anHrn. vonVonstekten von, 15 Ocr. 1804, den er aber, wie es

scheint, nicht erbauen hat, gibt darüber Aus-schluß, wer stch dergleichen Verleumdungen damalsjnm Geschäfte machte. 3- ®- 9JÎ-