Buch 
Johannes von Müllers Briefe an Carl Victor von Bonstetten III : geschrieben vom Jahr 1773 bis 1809 ; Briefe an Herrn Charles Bonnet : Briefe an Freunde 1 / herausgegeben von Friederika Brun
Seite
291
JPEG-Download
 

Briefe an Bonstetten.

291

Krämer, Künstler auf den Straßen sicher. Pola-ren, Hnngarn, Lombarden, Deutsche, zusammen ingleiche Compagnien gestoßen, lernten das Manö-ver nicht aus den Worten des Commando'e, die sienicht verstanden, sondern durch Prügel; hierzukam die Unmöglichkeit der Desertion, da Wohnungund Vermögen unter dem lagen, von dem desertirtivorden wäre. Da fiel auch eine Wittwe, derendrei Söhne alle fortgerissen worden, vor dem Kai-ser zur Erde und weinte laut; Antwort: „MeineMutter hat auch nur noch zwei Söhne bei sich und wàgehen beide." Ueberall Furcht, Erstaunen, Entsetzen,Besorgniß der bevorstehenden Regierung. Indessenbetete die alte Kaiserin weinend um Frieden zuGott. Bayern war in äußerstem Schrecken, dennder Theil, welchen Oesterreich haben wollte, ist defruchtbarste. Da erschien Friedrich, zog an aueinem ruhigen Land, hob nicht einen Heller mehr,zeigte sich wie er gewöhnlich ist, und Oesterreichzog wieder heim. Aber 28,000 Viertel Hafer wa-ren Monate lang täglich bei einem Theil des kai-serlichen Heeres verzehrt werden; während desganzen Krieges war von Hungarn an die nördlicheböhmische Gränze Tag und Nacht ein unaufhör-licher tzug von Fütterung und Proviantwagen.Wie, liebster Freund, wenn die, so Haller sang,unsre Freunde, die stillen Hirten im Gsteig undauf Greyerz dieses Joch zu tragen vorher bestimmtwären!

Nicht ist von Augsburg die durchgängige Schön-heit fast aller Gebäude zu vergessen; die wenigstensind noch bemalt, die meisten im italienischen Ge-schmack, nur bequemlicher; so schön ward Augs-burg 176!, als der nachmalige Friede von Huberts-bnrg in Augsburg geschloffen, und 1764, als derrömische König da gekrönt werden sollte; aber die-