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Briefe an Bonstetten.
nun auch dieses Fürstenthum. Die Stadt aber(borgo mono würde sie unser Locarneser nennen)ist entvölkert, und, wie dieses den Residenzenfast eigen scheint, ohne Arbeitsfleiß; daher schließeauf den Reichthum. Herb und streng scheinenauch die Sittenordnungen; fast kein Tanz, wenig-stens kein nächtlicher; wenig Gesetzschaft, die ,Jünglinge schmauchen etwa, und trinken imRathhauskeller Bier. Schon das Städtchen Poseneckin eben diesem Fürstenthum ist arbeitsamer undbelebter; auch hat es einen Jagdkreis und einengroßen Markt.
Aus dem Fürstenthum Saalfeld trat ich ander Elster zu Neustadt in das Kurfürstenthum;Heerstraßen sind auch alsdann selten, und wenigesind den eurigen zu vergleichen. Auch die Dörfersind arm, die Wirthshäuser Höfen niedrigerBauern ähnlich, die Häuser von Stroh, Leimen,Backsteinen, mit vielen zerbrochenen Fensterscheiben,barfuße Kinder, Gierigkeit in ihren Blicken;und gleichwohl unterdrückt auch diese Glückslazedie vortreffliche Gemüthsanlage der Sachsen nicht;sie leuchtet bei den Aermsten, wo nicht bei diesenvornehmlich, hervor; sie sind in Deutschland,sagte ich zu ihnen, was die Franzosen in Europa.
— Der Sachse seufzt unter dem mannichfaltigenund schweren Joch des Adels; durch wen, mitwelchem Gelde an den Kurfürst gelangen? Werist um den Kurfürst? Und sitzen die vom Adelnicht auf den Landtagen, von denen sein Einkom-men bewilligt werden muß? Daher das Glückderer beneidenswerth scheint, vor deren König,Bauer und Junker, als gleiche Menschen, gerngehört, und in deren Königs Augen Arnold derMüller so gut als der Regierungsrath ist; hieznrechne, daß der König die Advocaten abgeschafft
hat