Briefe an Bonstetten.
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geboten und mich dir zugeeignet hast! Du, ichund Horaz, das ist genug; Gesellschaft, ja Freunde,bieten Genf Halberstadt, auch Paris und Italienuns an; im Grunde hängt unser Glück von unsselbst ab, wir müssen nur nicht übermäßig fordern.Bleibe ich hier nicht, so hab' ich mir eine Freistättedoch bereitet, und kann auf die Bemühungen derer,die ich hier hinterlasse, zählen; könnt' ich's auchnicht, so ist mir doch Halberstadt ein sicherer Hafen;desto geruhiger werde ich in jenen unsern Landenleben: — zu Genf nämlich. Du, du mußt durchausauch zu mir, irgendwo um Genf hin. Zu Gleim gehenwir mit einander im künftigen Sommer, oder ermuß zu uns; daß er halben Weg kommen wolle, hater mir schon befohlen, dir zu versprechen. NachParis machen wir bisweilen einen Sprung, undwenn wir da Luft geschöpft, zurück, dann in un-sere Schale, und die verschließen wir, und klam-mern sie fest zusammen, damit kein Herr von —uns auch nur begucke; in dieser Schale lesen wirdie Alten, den Freund Horaz. Wie, o du meineSeele, gefällt dir so ein Leben? Mir schreibt Tron-chin, wie hier nachfolget: „Sie, mein Lieber, ich„sage es Ihnen abermal, sind für Studien und„Unabhängigkeit gebildet; gewisse Vortheile, die„Ihrem Geschmack schmeicheln, können freilich das„Opfer auch der Freiheit Ihnen leichter machen,„aber fühlen Sie sich ja sorgfältig, sagen Sie sich„ja oft, daß Sie sie sehr lieben, daß Sie sie lieben„mehrmals Sie vielleicht selbst glauben. Nichts„weiter, denn eben weil ich wünsche, daß Ihr„Entschluß Sie wieder zu mir führe, darf ich desto„weniger über Betrachtungen insistiren, die Sie„dazu bewegen könnten; geschieht es aber, so rech-„nen Sie auf mich und auf solche Veranstaltun-„gen, wodurch Ihr Leben angenehmer und beque-