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Johannes von Müllers Briefe an Carl Victor von Bonstetten III : geschrieben vom Jahr 1773 bis 1809 ; Briefe an Herrn Charles Bonnet : Briefe an Freunde 1 / herausgegeben von Friederika Brun
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Briefe an Bonstetten.

mer werden wird Vertrauter meines Her-zens, soll ich dir's sagen, Friedrich ist mein Held,schön ist sein Berlin, prächtig alles, aber nachdemManne, der obiges schreibt, ziehtmich mein Herz oft, oft fürchte ich, ersterbe, ehe ich ihn wieder sehe; ich gedenkeoft an sein einsames Alter, seinen Edelmuth, seineWohlthaten, dann möchte ich bei ihm warten, biser stirbt, indessen stubiren, ich und Bonst. wäremeine Welt. Ich kann dir unmöglich mein Herzmalen, wie es ist, wenn ich an dich, wenn ich anihn gedenke. Doch wollte ich, er wüßte es, erglaubt es gewiß nicht, und glaubte er's, erführeer's, so würde er fühlen, daß wenn er schon keinenSohn mehr hat, er doch nicht einsam in derWelt ist.

Ich breche mit Gewalt ab, diesen Brief magman uninteressant nennen, es ist wenig Statisti-sches darin, aber dein Gemüth, Bonst., wird michdarin erkennen.

2l.

Berlin, den so Nov. so.

Nunc tua rcs agitur, paries cum proximusardct ; schleunig, Allerliebster beantworte diesenBrief, denn ich bin mit Fragen belagert, und weißweder Ja noch Nein zu antworten. Je länger ichhier bin, desto geneigter scheinen die Minister,mich hier zu behalten; am löten kömmt Friedrichunser Held, der Prinz liesst nun die Schw. Hist.;Zedliz hat von einer Anwartschaft auf jede Stellebeim Joachimsthalischen Colleginm gesprochen, Me-rian würde hienächst helfen mich in die Akademieu befördern; 800 bis 1000 Thaler machten mrchreich, die Gesellschaft machte ich mir, denn ich sehe