Buch 
Johannes von Müllers Briefe an Carl Victor von Bonstetten III : geschrieben vom Jahr 1773 bis 1809 ; Briefe an Herrn Charles Bonnet : Briefe an Freunde 1 / herausgegeben von Friederika Brun
Seite
325
JPEG-Download
 

Briefe an Bonstetten.

325

NUN, daß in großen Städten alles auf den Mannselbst ankömmt, und wer sich beliebt machen will,geliebt wird; nach und nach werden alle Hinder-nisse überwunden, als Gelehrter wäre der Umgangder fremden Gesandten mir erlaubt, und unterdiesen ist einer, der sächsische, Graf von Zinzen-dorf, mir äußerst lieb; andere besuche ich bisweilen ;heut bin ich zum erstenmal bei Dvlgvrukoi; ver-schiedene Gesellschaften habe ich als langweilig ver-lassen, darin eben besteht unser Vortheil, daß wirwählen können. Füge hiebei, haß große Staats-veränderungen aus diesem Schauplatze seit 40 Jah-ren vorgefallen, größere allgemeine in allen Welt-theilen sich bereiten, und nicht unangenehm ist, ineinem wirksamen, vielmehr als in entschlafenenStaaten zu leben.

Ich habe einen Bericht vom Zustande der Ge-schichte von Genf abgefaßt, welcher vielen Beifallfindet.

„Herder hat Wieland mein Buch geschickt, undihn gebeten, es im deutschen Merkur, woran ersonst nicht Theil hat, anzuzeigen, denn ihm grautvor dieser starken Speise; nur die Vorrede hatHerder noch gelesen, er fand sie kraftvoll und schön."

Gleim an mich : „schreiben Sie mir keine Stellemehr ab aus Bonst. Briefen; ich könnte mich nochmehr verlieben in Bonst., und dann nicht nachBerlin, sondern nach Bern abreisen; im Ernst ver-langt mich, ihn kennen zu lernen von Angesichtzu Angesicht; sein Ausdruck verräth einen offenensreirn Mann, wie ich wenig Schweizer gekannthabe. Auch er also macht Projette , das ist javortrefflich, wir werden also, wenn wir zusammenkommen, viel zu schwatzen haben über alle, die schonihm und mir mißlungen sind. Sonst zwar behaup-