Briefe an Bonstettsn.
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und Menschen, die die Historie beschreibt, die leb-haftere Kenntniß des Zweckes, des Geistes undWerthes dieses meines Studiums, die Betrachtungseiner Würde und Wichtigkeit, vor der mir nunalle Personalumstände klein scheinen, werden aufmeinen ganzen Lebenslauf wirken. Ich habe allesmögliche Vergnügen genossen, und voll desselbenbin ich oft in mich zurückgekehrt, um es zu schätzen;ich habe der Einbildungskraft nie einen fester»Zaum angelegt, nie das Glück der Freundschaftund das Vergnügen der großen Gesellschaften sogewogen: endlich mich nie so oft geprüft, was ichwerden solle und wolle, noch die Manieren meinenZweck ju' erreichen. Ich glaube seit dem 26 Okto-ber fünfzig Jahre alt geworden zu seyn. Das Re-sultat! es ist nicht leicht eine Würde größer, alsdie eines Geschichtschreibers, der sich neben dieGroßen des Alterthums stellen will; zu seinemGlück ist Freiheit das allerunentbehrlichste;Sold gibt ihm die Nachwelt, und Menschzu seyn, ist wohlfeil. Wir erwarten den König;einige Tage nach seiner Ankunft wird mein Lebens-plan entschieden; ich wähle Genf oder Berlin, ichsuche dieß oder jenes, je nach der Muße und Frei-heit, welche mir eines von beiden mehr ge-währt. Jst's Genf, Genthod, die Boissierc (welcheNamen mir freilich heiliger geworden, seit ichmehrere Menschen gesehen), so mache ich Verbin-dungen mit einem oder zweien, die auf den Fallder Noth mir einst Berlin zur Freistätte machenkönnten, und eile zurück an das lemanische Ufer. —Lies, ich bitte dich, im EmUe, Tom. II, überdie Geschichtschreibung, und nenne mir den Schrift-steller, der besser hierüber gedacht. — Die Geschicht-schreibung verfällt aller Orten; einige werden ein-zelne Thaten romantisch beschreiben; aber alle zu-