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Johannes von Müllers Briefe an Carl Victor von Bonstetten III : geschrieben vom Jahr 1773 bis 1809 ; Briefe an Herrn Charles Bonnet : Briefe an Freunde 1 / herausgegeben von Friederika Brun
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Johannes von Müller Briefe.

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machen? Wie kann ich den Verdacht ron Neben-absichten ablehnen, der mein Herz gewiß nicht ver-giftet, aber zu dem ick Anlaß geben könnte? Ed-ler Freund! ich appellire an die Gefühle IhresHerzens.

3 .

An Herrn Friedrich Nico^ai, Buchhändlerin Berlin.

Schaffhaustn, 29 Fei»-. 1770 .

M. H. Vor ungefähr einem halben Jahre machtemir der Göttingische Professor Schlvzer den An-trag, ob ich mich entschließen wollte, kirchenhisto-rische Recensionen zu Ihrer allgemeinen Bibliothek besser ins Archiv der neuen deutschen Litera-tur, das Sie verwalten, zu liefern. Ich habe fürIhre Bibliothek (ohne Schmeichelei) immer mehrHochachtung gehabt, als für die ganze Sündfluthder übrigen Journale, Bibliotheken, gelehrtenZeitungen, und wie alle diese Tummelplätze derdeutschen Gelehrten heißen. Sie werden mir dasleicht znglanben, wenn ich Ihnen sage, daß ichalle Männer, die zur Ausbreitung einer möglichst-freien Denkungsart, zur Abschüttlung des Despo-tismus des Aberglaubens, zur Cultur der Natio-nen und Verfeinerung ihres Geschmacks etwas,viel oder wenig, thun, daß ich diese alle für großeWohlthäter des menschlichen Geschlechts ansehe,und wenn ich im alten Rom gelebt hätte, gewißwürde haben apothevsiren lassen. Unter meinenneuen Heiligen wären Rousseau, Voltaire, Lcs-sing und der Doctor Semler weit oben an gestan-den. Ich versprach Recensionen, und schickte wirk-lich eine von Semlers Tcrtullian nach Gvftingen,