154 Johannes von Müller Brief«.
schmack und wahrer Weisheit sich bis zum Taumel»berauscht, wenn wir nur etliche Tröpfchen genießen;und daß wir durch die Gnade der deutschen Pro-fessoren allein noch einigermaßen in der gelehrtenRepublik unsere Häupter aufbeben dürfen; wie dergroße G. und der weltberühmte H. nebst Andernsehr wohl wissen und uns arme Sünder bei Gele-genheit fühlen lassen. Oft erstaunt ganz Helvetienüber die erhabenen Geheimnisse, die wir nur z. B.aus den schweizerischen Recensionen in der allgemei-nen historischen Bibliothek lernen. Im Ernste,mein lieber Herr Professor — oder vielmehr, meinverehrungswürdiger Freund! kann ich Ihnen sagen,daß Sie mir noch einmal so lieb sind, weil der pe-dantische Professorstolz manches deutschen oder Göt-tingischen Lehrers, nebst der Einbildung, als wüßteniemand nichts, der nicht auf einer Universitätwäre, Sie nicht angesteckt hat. Ich mag nun selbst«in Journal anfangen, oder zu einem andern bei-tragen, so werde ich oft mit Vergnügen manchemsogenannten Viro celebcrr. die Löwenhaut abzu-ziehen und ihn zu belehren suchen, daß diese Götterin der gelehrten Republik Menschen sind, wie an-dere. — Im Geiste eines Prorectvrs, der durchseinen rothen Mantel sich über alle übrigen Men-schen von Erde und Staub erhaben glaubt, ist z. B.die in der That lächerliche Beurtheilung der Tschar-nerischen Geschichte von Bern geschrieben. Dergute Landvogt Tscharner wird wie ein Studentbeurtheilt; wir Schweizer lasen die Worte diesesZorns und — lachte». —
Anm. des Herausg. Der kernhafteSchlözernahm jenen Tadel seiner Schreibart recht gut auf, undantwortete Müller: „Wenn Siesich Mühe geben für„mich wegen meines Styls, bei Kennern Apologien zu„halten, so kommt mir das eben so vor, als wenn